RWE plant 45-Kilometer-Pipeline für Flutung von Rheinwasser in ehemalige Braunkohletagebaue
Heinz-Josef ZirmeRWE plant 45-Kilometer-Pipeline für Flutung von Rheinwasser in ehemalige Braunkohletagebaue
Ein umstrittenes Vorhaben, drei ehemalige Braunkohletagebaue in Nordrhein-Westfalen mit Rheinwasser zu fluten, nimmt konkrete Formen an. Das von dem Energiekonzern RWE geleitete Projekt sieht den Bau einer 45 Kilometer langen Pipeline vor, um die Gruben Hambach, Garzweiler und Inden in den kommenden vier Jahrzehnten zu füllen. Während lokale Verantwortliche und das Unternehmen wirtschaftliche und ökologische Vorteile betonen, warnen Kritiker vor langfristigen Umweltrisiken und ungelösten Fragen zur Wasserqualität.
Die Flutung soll 2030 beginnen, zunächst in den Tagebauen Hambach und Inden, gefolgt von Garzweiler im Jahr 2036. Ein Netz aus 10.000 Rohrleitungen – einige mit einem Durchmesser von bis zu 2,2 Metern – wird Rheinwasser in die Gruben leiten und so über 40 Jahre hinweg künstliche Seen entstehen lassen. Selbst nach der Befüllung werden die ehemaligen Tagebaue jahrzehntelang kontinuierlichen Wasserzufluss benötigen, um den Pegel zu halten.
RWE-Vorstandsmitglied Lars Kulik bezeichnet die Pipeline als Symbol für "Verlässlichkeit und Zukunftschancen" und verspricht neue Seen, den Schutz von Feuchtgebieten sowie einen Aufschwung für Tourismus und Arbeitsplätze. Elsdorfs Bürgermeister Andreas Heller unterstützt das Projekt und prognostiziert, dass der künftige "Elsdorfer See" das Ansehen der Stadt steigern werde. Doch die Genehmigung für die Einleitung von Rheinwasser in den Tagebau Hambach steht noch aus; die Bezirksregierung Arnsberg will das Zulassungsverfahren im Herbst einleiten. Eine Baugenehmigung für die Pipeline wurde bereits im Januar 2026 erteilt.
Umweltverbände wie der BUND und die Initiative Alle Dörfer bleiben hinterfragen die langfristigen Folgen des Vorhabens. Sie verweisen auf Risiken wie die Grundwasserverschmutzung durch Pyritablagerungen in den Kippen, die dauerhaft Sulfat freisetzen könnten. Kritiker weisen zudem auf die rund 30.000 Chemikalien im Rhein hin, deren Auswirkungen weitgehend unerforscht sind. Andreas Büttgen von der Bürgerinitiative Bürirer für Bürir nennt RWE-Strategie zwar "erstklassig", warnt aber, das Unternehmen könnte sich aus der Region zurückziehen und die Steuerzahler mit den Folgekosten alleinlassen. Zudem äußert er Bedenken hinsichtlich der Wasserknappheit, die durch Projekte wie das nahegelegene Hyperscale-Rechenzentrum von Microsoft noch verschärft werde.
Der Pipeline-Bau wird trotz ausstehender Genehmigungen und Widerstand fortgesetzt. Falls realisiert, wird das Projekt die Landschaft der Region nachhaltig verändern und Seen entstehen lassen, wo einst Tagebaue lagen. Doch die ökologischen und finanziellen Konsequenzen – von der Wasserverschmutzung bis hin zu den langfristigen Unterhaltungskosten – bleiben ungewiss.






