Rückgang bei Ausbildungsverträgen am Niederrhein – doch Lehrstellen bleiben unbesetzt
Heinz-Josef ZirmeRückgang bei Ausbildungsverträgen am Niederrhein – doch Lehrstellen bleiben unbesetzt
Lehrstellenmarkt im Mittleren Niederrhein verzeichnet Rückgang bei neuen Verträgen
Im Mittleren Niederrhein geht die Zahl der neuen Ausbildungsverträge zurück. Bis Ende Oktober zeigte die Statistik einen Rückgang um 6,48 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Dennoch gibt es weiterhin mehr freie Ausbildungsplätze als junge Menschen, die sie besetzen.
Arbeitgeber und Wirtschaftsvertreter rufen nun Schulabgänger dazu auf, eine Berufsausbildung als sicheren Weg in den Arbeitsmarkt in Betracht zu ziehen.
Laut der IHK Mittlerer Niederrhein wurden bis Ende Oktober 3.538 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen – ein spürbarer Rückgang gegenüber dem Vorjahr. Die Entwicklung fällt dabei regional unterschiedlich aus: Während Krefeld nur ein Minus von 0,52 Prozent verzeichnete, sank die Zahl in Viersen um 11,94 Prozent.
In Krefeld wurden 964 neue Verträge registriert, in Viersen 612. Besonders gefragt waren Ausbildungsberufe wie Kaufmann/-frau für Büromanagement, Chemikant/in und Verkäufer/in im Einzelhandel. Auch der Groß- und Außenhandel zog viele Bewerber an.
Hasan Klauser, Leiter der Agentur für Arbeit Krefeld, bestätigte, dass der Markt weiterhin Bewerber begünstige: Es gebe mehr Ausbildungsplätze als Nachfrage. Gleichzeitig warnte Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein, vor einer bevorstehenden Herausforderung: Unternehmen, die Abiturienten einstellen, werden bald mit weniger Bewerbern konfrontiert sein.
Der Grund liegt in der Rückkehr Nordrhein-Westfalens zum neunjährigen Gymnasium (G9). Ab 2026 werden keine Schulabgänger mit Abitur mehr auf den Arbeitsmarkt kommen, was zu einem Mangel an hochqualifizierten Bewerbern führen wird. Wirtschaftverbände wie die IHK, die Kreishandwerkerschaft und die Bundesagentur für Arbeit werben daher verstärkt für eine Berufsausbildung als Weg zu einer gesicherten Fachkraftkarriere.
Der Rückgang bei den Ausbildungsverträgen verdeutlicht die wachsende Lücke zwischen freien Lehrstellen und interessierten Bewerbern. Da in den kommenden Jahren weniger Abiturienten erwartet werden, könnten Unternehmen Schwierigkeiten haben, qualifizierte Stellen zu besetzen. Arbeitgeber betonen weiterhin, dass die betriebliche Ausbildung der effektivste Weg bleibt, um Fachkräfte auszubilden.






