NRW plant verpflichtende Sprachkurse für Kinder mit Deutschdefiziten – doch Kritik wächst
Heinz-Josef ZirmeNRW plant verpflichtende Sprachkurse für Kinder mit Deutschdefiziten – doch Kritik wächst
Nordrhein-Westfalen führt verpflichtende Vorschul-Sprachkurse für Kinder mit geringen Deutschkenntnissen ein
Ab dem Schuljahr 2028/29 sollen in Nordrhein-Westfalen die sogenannten ABC-Klassen eingeführt werden – verpflichtende Sprachförderkurse für Kinder, deren Deutschkenntnisse als unzureichend eingestuft werden. Die Auswahl der Teilnehmer erfolgt auf Basis von Sprachtests im Frühjahr 2028. Doch das Vorhaben stößt bei Pädagogen und Kommunalpolitikern auf Kritik, die sowohl die Wirksamkeit als auch die Auswirkungen auf die jüngsten Lernenden infrage stellen.
Die Landesregierung hatte die ABC-Klassen am 13. Januar 2026 offiziell vorgeschlagen; der entsprechende Gesetzentwurf liegt nun dem Landtag vor. Dem Konzept zufolge besuchen Kinder mit Förderbedarf zweimal wöchentlich zweistündige Kurse an Grundschulen. Kritiker monieren jedoch, dass die Herausnahme der Kinder aus ihren gewohnten Kita-Gruppen deren Tagesablauf stören und zu Stigmatisierung führen könnte. Die Frühpädagogin Maja Wehrmann warnt, eine solche Trennung könne mehr schaden als nutzen.
In Solingen unterstützen lokale Politiker von CDU und Grünen zwar grundsätzlich die frühe Sprachförderung, hinterfragen aber die aktuelle Umsetzung. Sie fordern eine bessere Abstimmung zwischen Land und Kommunen sowie eine Überprüfung des ABC-Konzepts. Viele Beteiligte geben offen zu, noch nicht zu verstehen, wie das neue Modell in bestehende Förderstrukturen eingebunden werden soll – was die Planung vor Ort erschwert.
Die Bildungswissenschaftlerin Simone Lammert sieht darin ein grundsätzliches Problem: Die ABC-Klassen könnten ein paralleles System schaffen, statt die bestehenden Angebote zu stärken. Statt neuer Maßnahmen schlagen CDU und Grüne in Solingen vor, die Sprachförderung direkt in den Kitas auszubauen. Die Frühpädagogin Jessica Schliewe pflichtet dem bei und betont, dass Kinder Sprache am besten in vertrauten Umfeldern durch alltägliche Interaktionen erlernen.
Ziel der ABC-Klassen ist es, die Deutschkenntnisse der Kinder vor der Einschulung zu verbessern. Doch Zweifel an den praktischen Auswirkungen auf Lernroutinen und bestehende Förderangebote bleiben. Ohne klarere Integrationspläne stehen Kommunen und Pädagogen vor Herausforderungen bei der Vorbereitung auf die Umsetzung.






