27 March 2026, 10:13

Krise im Haus der Kulturen der Welt: Boykott und politische Einmischung gefährden Berlins Kultursymbol

Schwarz-weiß-Illustration einer alten Buchseite mit einer detaillierten Zeichnung eines großen Auditoriums in Berlin, Deutschland aus dem Jahr 1912, begleitet von Text, der das Layout beschreibt.

Krise im Haus der Kulturen der Welt: Boykott und politische Einmischung gefährden Berlins Kultursymbol

Das Haus der Kulturen der Welt in Berlin steckt in einer tiefen Krise

Nach einer Reihe von Absagen und Protesten steht das Haus der Kulturen der Welt (HKW) in Berlin vor einer existenziellen Herausforderung. Den Auftakt der Kontroverse bildete die Abschaffung eines Konzerts des schwäbischen Rappers Chefket – und zwar aufgrund politischen Drucks. Inzwischen haben alle deutschen Künstler, die dort auftreten sollten, ihre Teilnahme aus Solidarität zurückgezogen. Die Zukunft der Institution ist damit ungewiss.

Der Streit offenbart tiefe Gräben in der deutschen Kulturlandschaft: zwischen Meinungsfreiheit, politischem Einfluss und kultureller Vielfalt. 2023 übernahm der Biologe und Kurator Bonaventure Soh Bejeng Ndikung die Intendanz des HKW – und machte das Haus damit zur ersten großen deutschen Kultureinrichtung, die vollständig von People of Color geleitet wird. Sein Programm, das postkoloniale Themen in den Mittelpunkt stellte, stieß jedoch bald auf Kritik aus Teilen des etablierten Kulturbetriebs.

Die Krise spitzte sich 2025 zu, als Chefket – vom Goethe-Institut zum "Rap-Botschafter" ernannt – im HKW auftreten sollte. Das Konzert wurde abgesagt, nachdem Kulturminister Wolfram Weimer interveniert hatte. Offizieller Grund: Chefkets Entscheidung, am Jahrestag des Hamas-Angriffs 2023 ein T-Shirt mit der Aufschrift "Palästina" in arabischer Kalligrafie zu tragen. Die Absage löste Vorwürfe des Antisemitismus und der politischen Einmischung aus – und führte zu massiven Protesten.

Als Reaktion zogen sämtliche anderen deutschen Künstler ihre geplanten Auftritte im HKW zurück. Selbst hochkarätige Projekte wie die Ausstellung "The Possibility of Unreason" von Jan Böhmermann konnten das Vertrauen nicht wiederherstellen. Das HKW, nur wenige Schritte vom Kanzleramt entfernt, aber jahrelang von der Bundespolitik ignoriert, steht nun vor einer Finanzkrise und einer ungewissen Zukunft.

Die Folgen der Affäre reichen über das HKW hinaus: Das Goethe-Institut überprüft derzeit seine Förderrichtlinien; eine Entscheidung wird für Anfang 2026 erwartet. Einziger Lichtblick bleibt das internationale Programm des Hauses, zu dem etwa Auftritte des haitianischen Saxophonisten Jowee Omicil zählten – und das die Institution noch mit der globalen Kulturszene verbindet.

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Das HKW ist damit zum Symbol einer grundsätzlichen Debatte über künstlerische Freiheit und politische Steuerung in Deutschland geworden. Mit gekürzten Mitteln und dem Boykott der meisten heimischen Künstler steht seine Handlungsfähigkeit auf dem Spiel. Gleichzeitig hat die Kontroverse eine breitere Überprüfung der Diversitätspolitik ausgelöst – und zwingt andere Einrichtungen, ihre eigenen Praktiken zu hinterfragen.

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