Joe Lycett wird zu Hugo Boss – ein Protest gegen Markenmacht und Einschüchterung
Gerlinde HeinrichJoe Lycett wird zu Hugo Boss – ein Protest gegen Markenmacht und Einschüchterung
Der Komiker Joe Lycett hat aus Protest gegen die aggressive Durchsetzung der Markenrechte des Modeunternehmens seinen Namen offiziell in Hugo Boss ändern lassen. Der Schritt folgt auf eine Reihe von juristischen Drohungen, die der Luxuskonzern an kleine Unternehmen und gemeinnützige Organisationen verschickt hatte, weil diese das Wort "BOSS" in ihren Namen verwendeten.
Hugo Boss, 1924 gegründet, ist ein globaler Modegigant mit über 14.000 Mitarbeitern in 127 Ländern. Das Unternehmen betreibt 439 Filialen und verzeichnet einen Jahresumsatz von mehr als 2,3 Milliarden Pfund. Doch seine Geschichte ist belastet: Firmengründer Hugo Boss war Mitglied der NSDAP, und während des Zweiten Weltkriegs ließ das Unternehmen SS-Uniformen unter Zwangsarbeit herstellen. 2011 entschuldigte sich das Unternehmen öffentlich für das Leid, das in seinen Kriegsfabriken verursacht worden war.
In jüngster Zeit geht der Konzern gezielt gegen kleinere Organisationen wegen Markenrechtsstreitigkeiten vor. Die Brauerei Boss Brewing aus Swansea musste rund 10.000 Pfund für Anwaltskosten aufbringen, nachdem sie eine Abmahnung erhalten hatte. Auch die Wohltätigkeitsorganisation DarkGirlBoss sah sich mit einer Klage konfrontiert, als sie versuchte, ihren Namen als Marke eintragen zu lassen.
Lycett, bekannt für seine Verbraucherschutz-Sendung "Got Your Back", wird nun unter seinem neuen, rechtmäßig angenommenen Namen ein Produkt auf den Markt bringen. Mit dieser Aktion will er auf die Einschüchterungstaktiken des Konzerns aufmerksam machen.
Die Namensänderung fällt mit der Vorbereitung auf Lycetts neues Projekt in seiner Show zusammen. Währenddessen setzt Hugo Boss weiterhin weltweit seine Markenrechte durch – oft auf Kosten kleiner Unternehmen und gemeinnütziger Initiativen, die teure Rechtskämpfe fürchten müssen. Der Protest des Komikers lenkt die Aufmerksamkeit erneut auf die umstrittene Vergangenheit und Gegenwart des Modeunternehmens.






