29 April 2026, 04:36

Deutsches Theater zwischen Mammutaufführungen und pandemiebedingten Kurzfassungen

Offenes Buch mit dem Titel "The Theatre: A Monthly Review of the Drama, Music, and the Fine Arts", das eine Seite mit Text und einem Logo zeigt.

Deutsches Theater zwischen Mammutaufführungen und pandemiebedingten Kurzfassungen

Deutsches Theater und die Kunst der Mammutaufführungen

Das deutsche Theater ist seit langem für seine marathonglangen Aufführungen bekannt, die die üblichen Spieldauern bei Weitem übersteigen. Beim diesjährigen Berliner Theatertreffen, einem der renommiertesten Festivals des Landes, sind erneut Produktionen zu sehen, die bis zu sieben Stunden dauern. Doch nach der Pandemie setzten viele Häuser auf kürzere, durchgehende Stücke ohne Pause – um das Publikum bei der Stange zu halten.

Der Trend zu extrem langen Inszenierungen etablierte sich in den 1970er- und 1980er-Jahren, getrieben vom Aufstieg des Regietheaters, bei dem Regisseure Klassiker oft mit kühnen, neu interpretierten Lesarten auf die Bühne brachten. Ein besonders radikales Beispiel lieferte 1999 Luk Percevals Schlachten bei den Salzburger Festspielen – eine zwölftstündige Mammutinszenierung. Erst kürzlich zeigte das Schauspielhaus Bochum 2023 eine siebenstündige Adaption der Brüder Karamasow.

Beim diesjährigen Theatertreffen, das zehn herausragende Produktionen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz auswählt, präsentieren die Münchner Kammerspiele Wallenstein: Ein Schlachtenfest in sieben Gängen – ein siebenstündiges Epos. Auch die Berliner Volksbühne bringt Peer Gynt zurück auf die Bühne, dessen erste Fassung einst acht Stunden dauerte. Festivalleiterin Nora Hertlein-Hull erlebte eine solche Langzeitinszenierung erstmals 2007 beim Wiener Festwochen.

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Während und kurz nach der Pandemie jedoch verzichteten die meisten Theater weitgehend auf solche Monsteraufführungen. Viele setzten stattdessen auf kompakte, pausenlose Stücke – auch, um gegen Streamingdienste und Heimunterhaltung zu bestehen. Der Deutsche Bühnenverein erfasst zwar keine offiziellen Statistiken zu Spieldauern, doch der Wandel war deutlich spürbar.

Obwohl marathonglange Produktionen nach wie vor auf großen Festivals zu finden sind, hat die Pandemiezeit viele Häuser zu kürzeren, prägnanteren Formaten gedrängt. Der Kontrast zwischen den epischen Langzeitstücken und den modernen Kurzfassungen spiegelt veränderte Sehgewohnheiten des Publikums wider. Doch vorerst existieren beide Extreme weiterhin nebeneinander auf den deutschen Bühnen.

Quelle