BP beschleunigt radikale Umstrukturierung trotz steigender Ölpreise und Arbeitskonflikte
Mirjana SchachtBP beschleunigt radikale Umstrukturierung trotz steigender Ölpreise und Arbeitskonflikte
BP treibt seine große Umstrukturierung voran, während die Ölpreise steigen und der Marktdruck zunimmt. Der Börsenwert des Konzerns ist im vergangenen Jahr um 15 Prozent gesunken – von etwa 85 Milliarden Pfund Anfang 2025 auf rund 72 Milliarden Pfund im März 2026. Anleger bleiben angesichts sinkender Ölpreise, der Konkurrenz durch Erneuerbare-Energien-Unternehmen und Verzögerungen bei Investitionen in die Energiewende aufgrund strengerer EU- und britischer Vorschriften vorsichtig.
Nun beschleunigt BP seine Sparmaßnahmen, während es sich auf einem volatilen Energiemarkt behaupten muss.
Die Probleme des Unternehmens verschärften sich Anfang 2026, als rund 800 gewerkschaftlich organisierte Mitarbeiter in der Raffinerie Whiting im US-Bundesstaat Indiana nach gescheiterten Tarifverhandlungen ausgesperrt wurden. Der Arbeitskonflikt belastete den Betrieb zu einem Zeitpunkt, als die globalen Ölpreise stark anstiegen.
Die Preise für Brent-Rohöl kletterten auf etwa 112 US-Dollar pro Barrel, nachdem schwere Blockaden die Schifffahrt in der Straße von Hormus lahmgelegt hatten. Die US-Regierung reagierte mit einer 60-tägigen Aussetzung des Jones Act, um die Lieferketten zu entlasten. Trotz des Preisanstiegs trieb BP seine Umstrukturierung weiter voran und erhöhte sein Sparziel auf 6,5 bis 7,5 Milliarden US-Dollar bis 2027. Ziel ist es, die finanzielle Lage zu festigen und die zukünftige Liquidität zu sichern.
Ein zentraler Bestandteil des Plans ist der Verkauf von Unternehmensbeteiligungen. BP hat bereits zugestimmt, seine Raffinerie in Gelsenkirchen an die Klesch Group zu veräußern. Die Transaktion, die auch die Übernahme von rund 1.800 Mitarbeitern umfasst, könnte BP von bis zu 1,7 Milliarden US-Dollar an Verbindlichkeiten entlasten. Die Raffinerie verarbeitet jährlich 12 Millionen Tonnen Rohöl und zählt damit zu den bedeutenden Anlagen des Konzerns.
Darüber hinaus treibt das Unternehmen seine breiter angelegte Desinvestitionsstrategie voran und will bis 2027 Vermögenswerte im Wert von 20 Milliarden US-Dollar abstoßen. Bisher wurden bereits Verkäufe in Höhe von über 11 Milliarden US-Dollar vereinbart. Die Maßnahmen stoßen bei Analysten auf eine positivere Einschätzung: Die HSBC stufte BP nach dem Raffinerieverkauf von "Reduzieren" auf "Halten" hoch und erhöhte das Kursziel.
Die Umstrukturierung bei BP erfolgt vor dem Hintergrund eines sinkenden Börsenwerts, steigender Ölpreise und sich wandelnder Energienachfrage. Durch den Verkauf der Gelsenkirchener Raffinerie und weiterer Vermögenswerte soll die Verschuldung reduziert und die finanzielle Stabilität gestärkt werden. Mit bereits abgeschlossenen Desinvestitionen in Höhe von 11 Milliarden US-Dollar setzt das Unternehmen seinen Plan konsequent um, die Geschäftsaktivitäten bis 2027 neu auszurichten.






