Zweifel an Deutschlands Wasserinfrastruktur: Zwei Drittel fürchten Versorgungsengpässe durch Sabotage und Cyberangriffe
Heinz-Josef ZirmeZweifel an Deutschlands Wasserinfrastruktur: Zwei Drittel fürchten Versorgungsengpässe durch Sabotage und Cyberangriffe
Eine neue YouGov-Umfrage zeigt, dass die meisten Deutschen die Widerstandsfähigkeit der Wasser- und Abwassersysteme ihres Landes anzweifeln. Fast zwei Drittel der Befragten glauben, dass Deutschland auf Versorgungsengpässe schlecht oder überhaupt nicht vorbereitet ist. Die Sorgen vor Bedrohungen wie Sabotage, Cyberangriffen und Extremwetter haben zugenommen.
Die Erhebung offenbart eine tiefe Verunsicherung in der Bevölkerung über die Wasserinfrastruktur. 67 Prozent der Befragten fürchten physische Sabotageakte, während 66 Prozent Cyberangriffe als Risiko sehen. Nur 3 Prozent bewerten die Vorbereitung Deutschlands als sehr gut.
Seit 2021 nehmen Wasserversorger und Behörden cyber-physische Bedrohungen ernster. Hochkarätige Vorfälle wie der Ransomware-Angriff auf die Colonial Pipeline führten zu Gegenmaßnahmen. Deutschland führte das IT-Sicherheitsgesetz 2.0 ein, das verbindliche Sicherheitsstandards für kritische Infrastrukturen vorschreibt. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) richtete zudem ein Cyber-Sicherheitszentrum ein und führt regelmäßige Prüfungen durch. Brancheninitiativen wie das Programm "Wassersicherheit" konzentrieren sich nun auf bessere Überwachung, Netzwerksegmentierung und Notfallreaktionen.
Experten fordern strengere Maßnahmen. Wolfgang Ischinger, Vorsitzender der Münchner Sicherheitskonferenz, betont, dass der Schutz kritischer Infrastrukturen zur nationalen Sicherheitspriorität werden müsse. Wolfgang Merkel vom Deutschen Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW) plädiert für einen ganzheitlichen Ansatz – mit physischem Schutz, Cyber-Resilienz und Klimawandelanpassung.
Kommende Veranstaltungen setzen sich mit diesen Herausforderungen auseinander. Die IFAT München, die Weltleitmesse für Umwelttechnologien, präsentiert Lösungen für widerstandsfähige Infrastrukturen. Gleichzeitig zeigt der Kongress "Security Under Control" in Duisburg (17.–18. März) Strategien zu OT-Sicherheit, NIS-2-Konformität und Bedrohungserkennung auf. Philipp Eisenmann, Ausstellungsleiter, unterstreicht die Notwendigkeit zukunftssicherer Systeme durch Technologie und Best Practices.
Umfrageergebnisse und Expertenwarnungen verdeutlichen den dringenden Handlungsbedarf für einen besseren Schutz der Wasserinfrastruktur. Neue Vorschriften, Branchenprogramme und anstehende Fachkonferenzen zielen darauf ab, die Resilienz zu stärken. Behörden und Betreiber arbeiten weiterhin daran, sowohl physische als auch digitale Schwachstellen zu beheben.
