ZVEI fordert Tempo bei digitaler Netzsteuerung und Produktpass 4.0 für effizientere Stromnetze
Heinz-Josef ZirmeZVEI fordert Tempo bei digitaler Netzsteuerung und Produktpass 4.0 für effizientere Stromnetze
Der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) hat zentrale Maßnahmen skizziert, um die Flexibilität und Transparenz des Stromnetzes zu stärken. Auf dem Climate Solution Forum in Essen betonten Fachleute die Dringlichkeit schnellerer Umsetzungsmaßnahmen und einer besseren Abstimmung. Zwei zentrale Vorhaben – der Ausbau intelligenter Netzsteuerungssysteme sowie der Digitale Produktpass 4.0 (DPP4.0) – wurden als entscheidend für ein effizienteres Energienetz hervorgehoben.
Im Rahmen der E-world energy & water identifizierte der ZVEI die beschleunigte Einführung von Netzsteuerungssystemen in Verteilnetzen als vordringliche Priorität. Diese Systeme sollen eine Schlüsselrolle bei der optimierten Steuerung des Stromflusses übernehmen. Der Verband legte einen klaren Zeitplan vor: Ab 2026 ist eine deutliche Intensivierung geplant, mit dem Ziel, bis 2027 messbare Flexibilitätssteigerungen in Niederspannungsnetzen zu erreichen.
Auf dem Forum wurden zudem drei zentrale Hebel genannt, um die Netflexibilität zu erhöhen: die Durchsetzung strengerer technischer Standards, die Schließung von Schnittstellenlücken zwischen verschiedenen Systemkomponenten sowie die Skalierung erfolgreicher Pilotprojekte. Zwar liegen keine konkreten Daten vor, wie viele Netzbetreiber in den vergangenen Jahren solche Pilotvorhaben abgeschlossen haben – doch waren sich die Experten einig, dass isolierte Einzellösungen nicht mehr ausreichen.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem Digitalen Produktpass 4.0, der als verlässliches Datenrahmenwerk den gesamten Lebenszyklus eines Produkts abbilden soll. Für dessen Erfolg sei laut ZVEI eine verbindliche Mitwirkung von Herstellern und Nutzern unerlässlich. Der Pass solle als zentrale Datenquelle in einem interoperablen digitalen Raum dienen und so Transparenz sowie Qualität im Netzbetrieb sichern.
Die Teilnehmer der Veranstaltung kamen übereinstimmend zu dem Schluss, dass die Technologie für ein leistungsfähiges Stromnetz bereits vorhanden ist. Die größten Herausforderungen lägen nun in Tempo, Standardisierung und einer konsequenten Umsetzung über alle Branchenbereiche hinweg.
Die Diskussionen in Essen machten deutlich: Sowohl intelligente Netzsteuerungssysteme als auch der Digitale Produktpass 4.0 benötigen eine flächendeckende Einführung, um Wirkung zu entfalten. Verlässliche regulatorische Rahmenbedingungen und klare Schnittstellendefinitionen seien dabei unverzichtbar, um ein resilienteres Energiesystem aufzubauen. Ohne breite Umsetzung drohe das Potenzial für mehr Flexibilität und Effizienz im Stromnetz ungenutzt zu bleiben.
