Wolfram Weimers verschollener Gedichtband Kopfpilz taucht nach Jahrzehnten wieder auf
Heinz-Josef ZirmeWolfram Weimers verschollener Gedichtband Kopfpilz taucht nach Jahrzehnten wieder auf
Ein lange verschollener Gedichtband des aktuellen Staatsministers für Kultur, Wolfram Weimer, ist nach Jahrzehnten in der Versenkung wieder aufgetaucht. Das unter dem Titel Kopfpilz veröffentlichte Werk erschien 1986 im Selbstverlag, geriet dann jedoch in Vergessenheit – bis heute. Aktuellen Berichten zufolge wurde ein seltenes Exemplar in einem Münchner Bücherschrank entdeckt, was das Interesse an Weimers frühem, umstrittenem Schaffen neu entfacht.
Weimer, heute ein hochrangiger Kulturpolitiker, schrieb Kopfpilz als junger Dichter. Das Buchcover zeigt drei schreiende Köpfe im Stil Edvard Munchs und deutet damit bereits auf den beunruhigenden Inhalt hin. Die Gedichte behandeln rohe Themen wie Sex und Radfahren, oft mit derben, unter die Gürtellinie zielenden Bildern. In dem Gedicht Unglück etwa beschreibt Weimer eine schwangere Frau und einen mit Eiterbeulen bedeckten Mann – ein Beispiel für seine Vorliebe für verstörende Szenen.
Sein Stil erinnert weniger an die romantische Lyrik eines Novalis als vielmehr an die provokante Art eines Till Lindemann. Die Verse sind geprägt von schroffem Wortspiel, wie in den Zeilen: „und fressen unsere Körper / schmausen unser Fleisch / metzeln unsere Zeit / und dreschen uns zu Brei / wir sind zu fein zum Töten / verdampfter Liebes-Schleim.“ Trotz seiner Seltenheit tauchte das Buch im Mai kurz wieder auf, als der Autor Knut Cordsen Auszüge in den sozialen Medien teilte. Der Podcast Bohnigers Wachmacher behauptet nun, ein physisches Exemplar in München ausfindig gemacht zu haben. Die Moderatoren Dax Werner und Moritz Hürtgen diskutierten den Fund, doch eine offizielle Bestätigung, dass Weimer mit dem Band in Verbindung steht, gibt es bisher nicht. Nur wenige Exemplare dürften noch existieren, aufbewahrt von Sammlern oder versteckt in Privatbibliotheken.
Die Wiederentdeckung von Kopfpilz wirft ein überraschendes Licht auf Weimers heutige Rolle als Kulturstaatsminister. Seine frühen Werke, geprägt von drastischer Sprache und beunruhigenden Motiven, stehen in krassem Gegensatz zu seinem heutigen öffentlichen Image. Vorerst bleibt das Buch eine Kuriosität – selten, umstritten und fest verankert in einem längst vergangenen Kapitel des Ministers.
