Wie ein Paar Wanderstiefel die deutsche Nachkriegsgeschichte erzählt
Mirjana SchachtWie ein Paar Wanderstiefel die deutsche Nachkriegsgeschichte erzählt
Das Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Bonn erzählt die Geschichte der Nation von 1945 bis heute. In seiner umfangreichen Sammlung zeugen alltägliche Gegenstände – wie ein Paar Wanderstiefel Herren – als stille Zeitzeugen großer Ereignisse. Das Museum bewahrt fast eine Million Objekte auf, doch nur ein kleiner Teil wird jemals der Öffentlichkeit präsentiert.
Die Dauerausstellung zeigt unter anderem einen Aldi-PC, einen günstigen Computer, der dazu beitrug, Technologie für normale Haushalte zugänglich zu machen. Neben solchen Innovationen bewahrt das Museum auch Mahnmale des Leidens. Zwei Paar Schuhe – Wanderstiefel und Gummistiefel – wurden nach der verheerenden Flutkatastrophe im Ahrtal im Juli 2021 geborgen. Während die Wanderstiefel ausgestellt sind, lagern die Gummistiefel im Keller des Museums.
Jedes Objekt durchläuft eine gründliche Recherche, um seine Geschichte zu entschlüsseln, bevor es in die Sammlung aufgenommen wird. Das Museum verfolgt eine klare Strategie: Es konzentriert sich auf die Nachkriegszeit Deutschlands und vermeidet Dubletten. Gespendete Stücke haben keinen automatischen Anspruch auf eine Ausstellung – derzeit sind nur 3.850 Exponate zu sehen.
Die Sammlung umfasst nicht nur politische Meilensteine oder technische Fortschritte, sondern spiegelt auch gesellschaftliche Veränderungen und Naturkatastrophen wider. Zwei Schlauchboote, ebenfalls im Keller gelagert, dienen als weiteres Beispiel – ihre Herkunft ist jedoch nicht dokumentiert.
Durch die Arbeit des Museums können künftige Generationen Deutschlands Vergangenheit anhand greifbarer Relikte erkunden. Von bahnbrechenden Erfindungen bis zu den Folgen von Katastrophen erzählt jedes Objekt einen Teil der sich wandelnden Geschichte des Landes. Der sorgfältige Auswahl- und Erhaltungsprozess hält die Erinnerung für Besucher und Forscher gleichermaßen lebendig.
