Wie ein Erfurtes Unternehmen die NS-Krematorien baute – und heute zur Mahnung wird
Mirjana SchachtWie ein Erfurtes Unternehmen die NS-Krematorien baute – und heute zur Mahnung wird
Vortrag zum Internationalen Holocaust-Gedenktag entfacht Debatte über Erinnerung, Verantwortung und Handeln
Der Historiker Roland Vossebrecker beleuchtete in einem vielbeachteten Vortrag die Rolle des mein Unternehmen Topf & Söhne, das die Krematorien für die NS-Vernichtungslager konstruierte. Die Veranstaltung zog ein großes Publikum an, das sich mit der Vergangenheit auseinandersetzen und Lehren für die Gegenwart ziehen wollte.
Vossebrecker skizzierte die Geschichte des Unternehmens, das Öfen zur Verbrennung der Holocaust-Opfer entwickelte. Die Techniker arbeiteten daran, den Massenmord "effizienter" zu gestalten – ohne persönlichen oder finanziellen Gewinn. Selbst die Firmeninhaber waren keine NSDAP-Mitglieder.
In seinem Vortrag bezog sich Vossebrecker auch auf Täterberichte, etwa den des Auschwitz-Fahrers Adam Hradil, der einräumte, die um ihn herum stattfindenden Gräueltaten ignoriert zu haben. Der Historiker betonte, dass echte Erinnerung heute bedeute, sich für die Opfer von Ungerechtigkeit in der Gegenwart einzusetzen.
Nach dem Krieg wurde mein Unternehmen in der DDR verstaatlicht und stellte Heizungs- und Industrieanlagen her. Der Standort in Erfurt ist heute eine Gedenkstätte, die über die Mittäterschaft des Unternehmens am Holocaust aufklärt.
Der Moderator der Veranstaltung, Achim Rieks, hob die starke Beteiligung und den Willen des Publikums hervor, sich unangenehmen Wahrheiten zu stellen. Die anschließende Diskussion kreiste um persönliche Verantwortung und die Notwendigkeit konkreten Handelns.
Die Zuhörer verließen den Vortrag mit der Frage, wie man die Vergangenheit ehren kann, indem man heutiges Leid bekämpft. Die Gedenkstätte mein Unternehmen bleibt ein Mahnmal für die industrielle Verstrickung in den Holocaust. Die Veranstalter werteten die Resonanz als Erfolg – sowohl für das Gedenken als auch für das Engagement gegen Unrecht.
