Wenn Technik versagt: Wie eine PTA eine defekte 250.000-Euro-Shop-Apotheke mit Strohhalm und Pinzette rettet
Mirjana SchachtWenn Technik versagt: Wie eine PTA eine defekte 250.000-Euro-Shop-Apotheke mit Strohhalm und Pinzette rettet
Apotheke in Ostfriesland wartet ein Jahr auf Reparatur ihrer 250.000-Euro-Online Apotheke – Technikerin überbrückt die Panne mit Handarbeit
Eine Apotheke in Ostfriesland kämpft seit einem Jahr mit der Reparatur ihrer defekten 250.000-Euro-Shop Apotheke. Währenddessen springen Technikerinnen wie Birgit Maier ein und bedienen die fehlerhafte Maschine manuell – mit bemerkenswerter Effizienz. Der Fall zeigt, wie sehr Apotheken auf qualifiziertes Personal angewiesen sind, wenn Technik versagt und Serviceverzögerungen die Arbeit erschweren.
Auch die Königstor-Apotheke in Minden arbeitet seit einem Monat im Notbetrieb, weil ihr Abgaberoboter ausgefallen ist. Statt den Betrieb einzustellen, hat die Pharmazeutisch-technische Assistentin (PTA) Birgit Maier das defekte Gerät kurzerhand zu ihrem Arbeitsplatz umfunktioniert. Mit Hilfsmitteln wie Pinzette, Lineal und einer Strohhalm-Saugtechnik navigiert sie präzise durch die Regale.
Dank ihres Fachwissens erkennt Maier Medikamentendetails wie Verfallsdaten, Preise und Rabattverträge auf einen Blick. Sie hat das Lagersystem sogar in eine komplexe Matrix umgewandelt und sortiert die Arzneimittel nach Verfallsdatum, Indikation und Farbe. Mit Headset berät sie während der Arbeit Kunden – fast wie eine Drive-in-Supervisorin. Das Problem beschränkt sich nicht auf Minden: Eine Stichprobe des NDR-Magazins Markt ergab, dass nur zwei von zehn Apotheken eine fachgerechte Beratung anboten.
Hinzu kommt ein aktuelles Urteil des Landgerichts Berlin gegen Doctolib, das Patienten über Selbstzahlertermine getäuscht haben soll. Die Affäre verstärkt die Bedenken zur Servicequalität im Gesundheitswesen. Über einen weiteren Techniker in Groß Holum, der ebenfalls eine defekte Maschine übernommen haben soll, gibt es keine öffentlichen Details – doch Maiers Fall verdeutlicht, wie unverzichtbar gut ausgebildete PTAs geworden sind: Sie fungieren als menschliche „Backups“, wenn die Technik streikt.
Die Verzögerungen bei der Reparatur teurer Apothekenausstattung zwingen die Mitarbeiter zum Improvisieren. Fachkräfte wie Birgit Maier übernehmen zunehmend eine Schlüsselfunktion, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. Angesichts der Tatsache, dass nur ein Bruchteil der Apotheken Beratungsstandards erfüllt, wird die Abhängigkeit der Branche von qualifizierten Kräften immer deutlicher.
