Warum Kinder in Deutschland kaum passende Medikamente erhalten – trotz digitaler Apotheken
Heinz-Josef ZirmeWarum Kinder in Deutschland kaum passende Medikamente erhalten – trotz digitaler Apotheken
Kinder und Jugendliche in Deutschland kämpfen damit, zuverlässige Medikamente per Klick in der Online Apotheke zu erhalten. Obwohl es gesetzliche Möglichkeiten zur Verbesserung der Arzneimittelversorgung gibt, sind in den letzten fünf Jahren keine neuen Medikamente speziell für junge Patientinnen und Patienten auf den Markt gekommen. Die Gründe dafür sind eine Kombination aus hohen Forschungskosten, kleinen Patientengruppen und regulatorischen Hürden.
Zwischen 2021 und 2025 wurde in Deutschland kein einziges Arzneimittel ausschließlich für Kinder und Jugendliche zugelassen. Hersteller meiden oft klinische Studien mit Kindern, da diese mit hohen Ausgaben verbunden sind und die finanziellen Erträge gering ausfallen. Hinzu kommen die geringe Zahl an Patientinnen und Patienten, Schwierigkeiten bei der Rekrutierung von Teilnehmenden sowie komplexe Einwilligungsverfahren.
Statt kindgerechte Therapien zu entwickeln, greifen Unternehmen oft auf Medikamente für Erwachsene zurück, die 'off-label' eingesetzt werden. Diese Praxis ist weit verbreitet: 60 bis 90 Prozent aller Verschreibungen für Kinder und Jugendliche wurden nie formal an jungen Patientinnen und Patienten getestet. Ein solcher Off-Label-Gebrauch kann mitunter schwere Nebenwirkungen auslösen und die Gesundheit der Kinder gefährden.
Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) verfügt über einen Expertenausschuss, der Off-Label-Medikamente prüft. Werden diese genehmigt, können sie über die gesetzliche Krankenversicherung verordnet werden. Dennoch bleiben strenge regulatorische Standards unverzichtbar, um den Schutz von Kindern zu gewährleisten.
Der Mangel an neuen Kinderarzneimitteln zeigt weiterhin bestehende Lücken in der medizinischen Versorgung junger Menschen. Zwar gibt es Off-Label-Alternativen, doch diese bergen Risiken und ersetzen keine ausreichend erprobten Therapien. Rechtliche und regulatorische Maßnahmen sollen Sicherheit und Zugang in Einklang bringen - doch der Fortschritt bleibt zäh.
