Warum die Kapitalismuskritik seit den 1970ern an Kraft verlor – eine neue Analyse
Mirjana SchachtWarum die Kapitalismuskritik seit den 1970ern an Kraft verlor – eine neue Analyse
Krise der Kapitalismuskritik? Gegner des Systems im neoliberalen Zeitalter
Eine neue Anthologie untersucht, warum die Kritik am Kapitalismus seit den 1970er-Jahren an Schlagkraft verloren hat. „Krise der Kritik? Gegner des Kapitalismus im neoliberalen Zeitalter“ argumentiert, dass das Verständnis dieses Niedergangs entscheidend ist, um die modernen gesellschaftlichen Umbrüche zu begreifen. Das Buch zeigt auf, wie der Neoliberalismus nicht nur den Kapitalismus selbst, sondern auch den Widerstand dagegen umformte.
Sozialwissenschaftler:innen und Historiker:innen befassen sich seit Langem mit dem globalen Aufstieg des Neoliberalismus seit den 1970er-Jahren. Der Begriff selbst hilft zwar, die Umwälzungen des Kapitalismus zu erklären, kann aber auch die Kritik vereinfachen, indem er den Neoliberalismus als eine einheitliche, monolithische Kraft darstellt. Tatsächlich ist er weitaus fragmentierter, als oft angenommen wird.
Die Anthologie unterteilt die Erklärungen für die abgeschwächte Kritik in zwei große Bereiche: Einer konzentriert sich auf die strukturelle Transformation des Kapitalismus, der andere zeichnet die geistige Geschichte neoliberaler Ideen nach. So entstand etwa die Konsumkritik bereits lange vor dem Neoliberalismus – sie lässt sich bis zum Nachkriegswirtschaftsboom zurückverfolgen – und ist keineswegs eine direkte Folge davon.
Die Gründung der Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS) in den 1990er-Jahren markierte keinen Rückkehr zu einem radikalen Antikapitalismus. Stattdessen verband sie Identitätspolitik mit keynesianischer Wirtschaftspolitik und spiegelte damit einen größeren Wandel wider. Sozialdemokratische und linksliberale Gruppen übernahmen oft selbst neoliberale Reformen, reagierten auf Krisen, ohne jedoch eine starke Alternative anzubieten. Dies trug zu einem übergreifenden Trend bei: der Individualisierung von Protest und dem Schwinden systemischer kapitalismuskritischer Herausforderungen.
Die Anthologie deckt eine entscheidende Lücke in der modernen Kapitalismuskritik auf. Indem sie den Rückgang fundamentaler Systemkritik analysiert, offenbart sie, wie der Neoliberalismus nicht nur wirtschaftliche Strukturen, sondern auch die Art des Widerstands umgestaltet hat. Die Erkenntnisse legen nahe, dass eine wirksame Opposition nur dann neu belebt werden kann, wenn diese historischen Verschiebungen tiefer verstanden werden.






