24 March 2026, 14:12

Verbotenes Nurejew-Ballett feiert triumphale Rückkehr auf Berliner Bühne

Bildnis 'Tanz an der Oper' von Jean Beraud, 1889, das Tänzer in weißen Tutus und Hüten auf einer Bühne mit Scheinwerfern und einem Photo-Rahmen zeigt.

Verbotenes Nurejew-Ballett feiert triumphale Rückkehr auf Berliner Bühne

Ein mutiges Ballett über Rudolf Nurejews Leben findet in Berlin eine neue Bühne – nach dem Verbot in Russland

Die Produktion, die ursprünglich für das Moskauer Bolschoi-Theater konzipiert wurde, war im vergangenen Jahr wegen der russischen Gesetze gegen "Propaganda nicht-traditioneller sexueller Beziehungen" abgesetzt worden. Nun hat das Staatsballett Berlin das Werk wiederaufgenommen und bringt Nurejews dramatische Lebensgeschichte zurück ins Rampenlicht.

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Das Ballett Nurejew feierte 2017 am Bolschoi-Theater Premiere, choreografiert von Juri Possochow und inszeniert von Kirill Serebrennikow. Es erzählt vom Werdegang des Tänzers – von seinen Anfängen unter Alexander Puschkin über seine Flucht nach Frankreich bis hin zu seinem weltweiten Ruhm. Die opulente Bühnenausstattung spiegelt Nurejews extravagantes Leben wider: mit männlichen Akten alter Meister, Thonet-Stühlen, Sofas von Maria Callas und sogar einem Nachbau seiner italienischen Insel.

Regisseur Serebrennikow verpasste die russische Premiere 2017, nachdem gegen ihn wegen Veruntreuungsvorwürfen ermittelt worden war, die später zu einer Verurteilung führten. Der in der ukrainischen Stadt Luhansk geborene Possochow, der heute US-Staatsbürger ist, arbeitet weiterhin mit dem Bolschoi zusammen – trotz des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine.

Kritiker bemerken, dass der zweite Akt des Balletts nicht ganz an die Intensität des ersten heranreicht, doch überzeugt die Produktion weiterhin mit packenden Solodarbietungen und großen Ensembleszenen. Nurejew, der 1993 in Paris an den Folgen von Aids starb, bleibt eine prägende Figur der Tanzgeschichte. Sein Nachlass wurde 1995 versteigert und festigte so seinen legendären Status.

Seit der Uraufführung des Balletts haben sich die politischen Restriktionen in Russland unter Putin verschärft und die künstlerische Freiheit weiter eingeschränkt. Das Bolschoi-Theater nahm Nurejew 2023 vom Spielplan – mit Verweis auf die Darstellung des schwulen, HIV-positiven Tänzers. Die Berliner Wiederaufführung bietet dem Publikum nun erneut die Gelegenheit, dieses umstrittene, doch gefeierte Werk zu erleben.

Die Produktion in Berlin markiert einen bedeutenden Moment für Nurejew und hält seine Geschichte außerhalb Russlands am Leben. Mit seinen opulenten Bildern und emotionalen Tiefen ehrt das Ballett weiterhin eine der größten Ikonen des Tanzes. Gleichzeitig unterstreicht die Wiederaufführung die anhaltenden Spannungen zwischen künstlerischer Freiheit und politischer Kontrolle.

Quelle