Traditionelle Apotheken kämpfen gegen die Macht der Online-Konkurrenz
Heinz-Josef ZirmeTraditionelle Apotheken kämpfen gegen die Macht der Online-Konkurrenz
Deutsche Apotheken vor Ort geraten unter Druck durch Online-Konkurrenten
Während traditionelle Apotheken mit veralteten Gebührenregelungen kämpfen, expandieren digitale Plattformen wie Redcare rasant. Der Wandel zwingt viele familiengeführte Betriebe, sich in einem zunehmend automatisierten Markt neu zu behaupten.
Die finanziellen Probleme der stationären Apotheken begannen 2004, als die damalige Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) das Gebührensystem reformierte. Seither schrumpften bei vielen die Gewinne, was den Wettbewerb erschwert. Online-Apotheken profitieren hingegen von einer entscheidenden Ausnahme: Sie dürfen rezeptpflichtige Medikamente rabattieren – ein klarer Preisvorteil.
Besonders betroffen ist Essen, wo Jan und Janet Olgemöller die Wasserturm-Apotheke führen. Ihre Filiale ist eine von nur noch drei im Stadtteil, und der Mangel wurde während Notdiensten schmerzlich deutlich. Die Familie betont, dass Medikamente individuelle Beratung erfordern – etwas, das Online-Anbieter nicht vollständig ersetzen können. Um zu überleben, haben sie eine eigene App entwickelt, das Impfangebot ausgeweitet und Blutdruckmessungen eingeführt. Dennoch könnten sie bald noch stärker auf Automatisierung setzen müssen.
Unterdessen drängen Online-Apotheken voran. Redcare, unterstützt durch eine prominent besetzte Werbekampagne mit Günther Jauch, bereitet sich auf ein starkes Wachstum vor. Das Unternehmen betreibt bereits ein automatisiertes Lager, das die 2.000 meistverkauften Arzneimittel ausgibt. Eine neue, KI-gesteuerte Logistikzentrale – Investitionsvolumen: rund 100 Millionen Euro – soll die Kapazitäten weiter steigern. Jauchs Werbung für die niederländische Shop Apotheke stößt bei traditionellen Apothekern auf Kritik, die darin einen weiteren Schlag gegen ihr Geschäftsmodell sehen.
Deutschland verfügt bereits über eine der niedrigsten Apothekendichten Europas. Der Rückgang ist auf Finanzreformen und eine Politik zurückzuführen, die große, ausländische Konzerne begünstigt. Mit der flächendeckenden Einführung des E-Rezepts droht sich die Kluft zwischen alten und neuen Geschäftsmodellen weiter zu vertiefen.
Familien wie die Olgemöllers passen sich an, doch die Zukunft bleibt ungewiss. Online-Apotheken mit ihren niedrigeren Preisen und automatisierten Abläufen prägen den Markt neu. Lokale Apotheker müssen nun persönliche Beratung mit Modernisierung in Einklang bringen – oder riskieren, abgehängt zu werden.
