Tchibo verklagt Aldi Süd wegen angeblicher Kaffee-Dumpingpreise vor Gericht
Gotthold UllmannIst Kaffee zu billig? Aldi Süd und Tchibo streiten um Preise - Tchibo verklagt Aldi Süd wegen angeblicher Kaffee-Dumpingpreise vor Gericht
Ein Rechtsstreit um Kaffeepreise hat nun das Oberlandesgericht Düsseldorf erreicht. Tchibo wirft Aldi Süd vor, seine Hausmarke Barissimo unter Einstandspreis zu verkaufen und damit gegen das Wettbewerbsrecht zu verstoßen. Der Konflikt folgt auf ein Urteil vom Januar, das Tchibos ursprüngliche Beschwerde als wirtschaftlich vertretbar abwies.
Im Mittelpunkt des Streits steht Aldi Süds Preispolitik für die hauseigene Kaffeemarke Barissimo. Tchibo behauptet, der Discounter biete seit Ende 2023 bestimmte Sorten mit Verlust an – bis zu zwei Euro pro Kilogramm. Nach Ansicht des Unternehmens untergrabe dies den fairen Wettbewerb und schade letztlich den Verbrauchern.
Die Kaffeepreise sind in den vergangenen Jahren stark gestiegen: Allein die Kosten für Bohnen kletterten laut Statistischem Bundesamt zwischen 2020 und Oktober 2022 um fast 58 Prozent. Händler und Röstereien sehen sich höheren Ausgaben gegenüber und müssen ihre Preise anpassen. Öffentlich zugängliche Daten zeigen jedoch nicht, welche Barissimo-Produkte von Aldi Süd konkret unter Wert verkauft wurden.
Rupprecht Podszun, Professor für Wettbewerbsrecht, betont, dass niedrige Preise erst dann rechtswidrig werden, wenn sie gezielt eingesetzt werden, um Konkurrenten zu verdrängen und später die Preise zu erhöhen. Gleichzeitig verweist er auf einen branchenweiten Wandel: Große Händler wie Aldi Süd steigen zunehmend in die Produktion ein und verändern damit traditionelle Machtverhältnisse.
Mit seiner Klage will Tchibo erreichen, dass Aldi Süd seine Niedrigpreisstrategie nicht fortsetzt. Das Unternehmen argumentiert, solche Praktiken verzerrten den Markt und benachteiligten sowohl Mitbewerber als auch Käufer.
Das Düsseldorfer Gericht muss nun prüfen, ob Aldi Süds Preispolitik gegen Wettbewerbsregeln verstößt. Sollte Tchibo Recht bekommen, könnte das Urteil den Discounter zwingen, seine Kaffeepreise anzupassen. Die Entscheidung könnte zudem richtungsweisend für ähnliche Konflikte im Lebensmittelhandel werden.
