Sunoco übernimmt Tanquid: Bundesländer fürchten US-Kontrolle über deutsche Energieinfrastruktur
Mirjana SchachtSunoco übernimmt Tanquid: Bundesländer fürchten US-Kontrolle über deutsche Energieinfrastruktur
Verkauf des größten deutschen Tanklagerbetreibers Tanquid an US-Energiekonzern Sunoco: Bundesländer warnen vor ausländischer Kontrolle
Der Verkauf des größten deutschen Tanklagerbetreibers Tanquid an das US-amerikanische Energieunternehmen Sunoco ist perfekt – allerdings unter strengen Auflagen zum Schutz der nationalen Versorgungsicherheit. Kritiker warnen jedoch, dass damit die Kontrolle über wichtige Infrastruktur in ausländische Hände der USA geraten könnte.
Das Bundeswirtschaftsministerium unter Leitung von Katherina Reiche (CDU) gab die Übernahme im Januar 2026 nach einer gründlichen Investitionsprüfung frei. Laut den Vereinbarungen muss Sunoco zwar formal eine deutsche Mehrheitsbeteiligung zulassen, behält aber operativen Einfluss. Zudem ist Tanquid verpflichtet, seine Anteile an einem zentralen Pipeline-Unternehmen an den Bund zu veräußern.
Das Ministerium betont, die Auflagen seien rechtlich bindend und durchsetzbar. Bei Verstößen drohe der Entzug der Genehmigung. Offizielle Stellen versichern wiederholt, die Versorgungsicherheit der Bundesländer bleibe unberührt – doch Skepsis hinsichtlich Souveränität und ausländischer Kontrolle hält an.
Sunoco, eine Tochter des US-Energiekonzerns Energy Transfer, steht unter zusätzlicher Beobachtung. CEO Kelcy Warren ist ein bekannter Förderer der Make America Great Again-Bewegung und eng mit dem ehemaligen Präsidenten Donald Trump verbunden. Diese Verbindung hat die Debatte über die Tragweite des Deals für die USA weiter angeheizt.
Kritik kommt aus verschiedenen Lagern. Greenpeace warnt davor, kritische Energieinfrastruktur an ein von fossilen Brennstoffen abhängiges Unternehmen zu übertragen. Michael Kellner, energiepolitischer Sprecher der Grünen, bezeichnet die staatlichen Schutzmaßnahmen als "Pflasterlösung". Auch aus dem Parlament gibt es Bedenken, ob ausländischer Besitz an Pipelines – darunter solche, die Bundeswehr-Flugplätze beliefern – die nationale Sicherheit der Bundesländer gefährden könnte.
Der Deal spiegelt die grundsätzlichen Spannungen bei ausländischen Investitionen in Deutschlands Energiesektor wider. Während die Regierung auf strenge Kontrollen als Risikoprävention pocht, fordern Gegner stärkere Schutzmechanismen, bevor kritische Infrastruktur aus der Hand gegeben wird.
Die Übernahme wird unter engmaschiger Beobachtung vollzogen; Sunoco übernimmt die operative Kontrolle über Tanquids Lager- und Pipelinenetze. Die Bundesregierung behält sich das Recht vor, bei Verstößen gegen die Auflagen einzugreifen. Die Diskussion über ausländischen Besitz an Deutschlands Energieinfrastruktur bleibt indes in vollem Gange.
