05 January 2026, 00:09

St. Kilians ungewisse Zukunft: Brutalismus zwischen Glauben und Kulturkampf in Paderborn

Eine Kirche ist prominent in der Mitte des Bildes zu sehen.

St. Kilians ungewisse Zukunft: Brutalismus zwischen Glauben und Kulturkampf in Paderborn

St. Kilian – ein brutaler Betonklotz mit ungewisser Zukunft

Die Kirche St. Kilian, ein brutalistischer Bau aus den späten 1960er-Jahren, prägt als Wahrzeichen ihre Gemeinde. Für Claudia Auffenberg hat das Gebäude eine tiefe persönliche Bedeutung: Der weite Rundbau und der moderne Betonaltar seien eine "Kirche meiner Zeit", sagt sie. Doch die Zukunft des Sakralbaus ist ungewiss, denn das Erzbistum Paderborn ringt mit sinkenden Besucherzahlen und dem Zwang, seine Kirchenlandschaft zu verkleinern.

Das Erzbistum steht vor einem drängenden Problem: Zu viele Kirchen für eine schrumpfende Gemeinde. Nach aktuellen Plänen soll pro Pfarrverband nur noch eine Kirche offen bleiben. Über das Schicksal von St. Kilian ist noch nicht entschieden – eine offizielle Stellungnahme zur Schließung fehlt. Während der Kirchenvorstand eher für eine Aufgabe des Gebäudes plädiert, setzen sich viele aus der Gemeinde für eine Umnutzung als "Kulturkirche" ein – ein Ort für Veranstaltungen jenseits des klassischen Gottesdienstes.

In der Nachbarpfarrei St. Heinrich ist man bereits weiter: Beichtstühle wichen einer Kinderspielecke, der Kirchenraum wurde zu einem offenen Treffpunkt für Menschen aller Hintergründe umgestaltet. Dieser Ansatz steht im Kontrast zur zögerlichen Haltung des Erzbistums Paderborn, das hinter anderen Diözesen in Nordrhein-Westfalen zurückliegt, wenn es um eine klare Immobilienstrategie geht. St. Kilians markantes Design – ein schwungvoller Rundbau mit bodentiefen Buntglasfenstern – spiegelt den Zeitgeist seiner Entstehungszeit wider. Doch das auf Strukturen der 1970er-Jahre gegründete Pfarrmodell kämpft mit der Anpassung an die Gegenwart, und die Entscheidungen über die Zukunft der Kirche stehen noch aus. Für die Pfarrei St. Julian in Paderborn wurden bisher keine konkreten Gruppen oder Institutionen in den Prozess einbezogen – die nächsten Schritte bleiben unklar.

Die Debatte um St. Kilian offenbart die größeren Spannungen im Erzbistum Paderborn: Bei sinkenden Mitgliedszahlen und überholten Gemeindestrukturen stehen schwierige Weichenstellungen bevor. Ob die Kirche umgenutzt oder aufgegeben wird – ihr Schicksal wird zeigen, wie sich die Rolle religiöser Räume in der Gesellschaft wandelt.

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