Scratching the Surface
Nur an der Oberfläche gekratzt
Ein Faksimile-Band erinnert an das Magazin „Elaste“, das 1980 in Hannover gegründet wurde. Das Thema spielt auch in Erika Thomallas mündlich überlieferter Geschichte des Pop-Journalismus eine Rolle.
Ein neues Buch würdigt „Elaste“, das bahnbrechende Popkultur-Magazin, das die Energie des frühen Westdeutschlands der 1980er-Jahre einfing. Die Zeitschrift, die sechs Jahre lang erschien, wurde mit ihrer prägnanten Stimme in Musik, Mode und Kunst zur prägenden Instanz, bevor sie 1986 eingestellt wurde.
1980 in Hannover von drei Gründern ins Leben gerufen – Michael Reinboth, Thomas Elsner und Christian Wegner –, setzten sie das Projekt unabhängig um. Angebote großer Verlage wie Gruner + Jahr lehnten sie ab und realisierten das Magazin stattdessen nach eigenen Vorstellungen. Ohne Businessplan und mit kaum finanzieller Absicherung verließen sie sich auf Instinkt und Mut, um jede Ausgabe zu gestalten.
„Elaste“ stach durch seinen weiten Fokus hervor: Es behandelte New-Wave-Musik, avantgardistische Mode, Underground-Kunst und scharfsinnige Gesellschaftskommentare. Mit Interviews von Ikonen wie Andy Warhol oder den Rolling Stones hob es sich deutlich von allem ab, was die deutsche Medienlandschaft damals zu bieten hatte. Trotz seines Einflusses schrieb das Magazin nie schwarze Zahlen und stellte nach der 16. Ausgabe im Sommer 1986 sein Erscheinen ein.
Der neue Band dokumentiert die kurze, aber wirkmächtige Ära von „Elaste“ und versammelt Essays, seltene Fotos sowie Nachdrucke der Originalseiten. Er bietet einen detaillierten Einblick, wie das Magazin den kreativen Aufbruch seiner Zeit widerspiegelte – eine Mischung aus Rebellion und kulturellem Scharfsinn.
Das Buch bewahrt das Erbe von „Elaste“ als furchtloses, unabhängiges Projekt, das einen Moment der westdeutschen Popkultur prägte. Der unnachgiebige Ansatz der Gründer und ihr hands-on-Geist hinterließen Spuren, auch wenn das Magazin selbst nur sechs Jahre bestand. Bis heute gilt es als zentraler Bezugspunkt für alle, die sich mit den kreativen Strömungen jener Epoche beschäftigen.
