"Ringel, Ringel, Reihe": Warum der Kinderreim nichts mit der Pest zu tun hat
Heinz-Josef Zirme"Ringel, Ringel, Reihe": Warum der Kinderreim nichts mit der Pest zu tun hat
Das Kinderreimchen „Ringel, Ringel, Reihe“ wird seit langem mit düsteren historischen Ereignissen wie der Großen Pest von London oder dem Schwarzen Tod in Verbindung gebracht. Viele glauben, dass Text und Bewegungen auf diese Tragödien anspielen. Doch die wahren Ursprünge des Reims bleiben unter Volkskundlern umstritten und ungeklärt.
Die früheste gedruckte englische Fassung erschien erst 1881 – ein spätes Datum, das Zweifel an der Behauptung weckt, der Reim sei als mündliche Überlieferung bereits fünf Jahrhundert alt. Forscher vermuten stattdessen, dass er sich Ende des 19. oder Anfang des 20. Jahrhunderts als Spiel- und Tanzreim unter Jugendlichen entwickelte.
Einige Varianten enthalten Wörter wie „Rosen“, „Blumensträuße“, „Niesen“ und „Hinfallen“, die als Pest-Anspielungen gedeutet wurden. Doch es gibt keine belastbaren Belege für diesen Zusammenhang. Die Theorie, der Reim beschreibe die Pest, verbreitete sich erst Mitte des 20. Jahrhunderts – lange nach seiner ersten Veröffentlichung.
Eine andere Möglichkeit ist, dass der Reim im 18. Jahrhundert in Deutschland als Kinderspiel und Singreim entstand. Die vielen Abwandlungen und seine Verwendung in lustigen Kreisspielen deuten darauf hin, dass er von Anfang an der Unterhaltung diente. Text und Bewegungen passen eher zu traditionellen Kinderspielen als zu einer historischen Allegorie.
Trotz populärer Spekulationen gibt es keinen Nachweis, dass „Ringel, Ringel, Reihe“ die Pest thematisiert. Wahrscheinlich begann der Reim schlicht als fröhliches Spiel für Kinder. Sein anhaltender Charme liegt in seiner verspielten Natur – nicht in einer verborgenen Bedeutung.






