17 June 2026, 18:22

RAW-Gelände in Berlin: Kulturtempel vor dem Aus oder Rettung in letzter Minute?

Investor ruft Frieden ab

RAW-Gelände in Berlin: Kulturtempel vor dem Aus oder Rettung in letzter Minute?

Das RAW-Gelände in Berlin-Friedrichshain – ein langjähriges soziokulturelles Zentrum – steht vor einer ungewissen Zukunft. Die Eigentümerin, die Kurth Group, hat nach fast elf Jahren Verhandlungen mit dem Bezirk die Planungen für gescheitert erklärt. Mieter fürchten nun wachsenden Druck, die Räumlichkeiten verlassen zu müssen.

Das Gelände, einst ein Reichsbahn-Ausbesserungswerk, entwickelte sich nach der Wiedervereinigung zu einem kulturellen Hotspot. Jahrzehntelang beherbergte es Clubs, Konzerte, Flohmärkte und weitere Gemeinschaftsveranstaltungen. Noch am vergangenen Samstagabend war das Areal gut besucht – unter anderem mit einer öffentlichen Übertragung des Fußballspiels zwischen Brasilien und Marokko.

Die Kurth Group hatte das Gelände 2015 erworben und begann mit dem Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg Verhandlungen, um Entwicklung und den Erhalt des subkulturellen Kerns in Einklang zu bringen. 2022 einigte man sich: Der Bezirk stimmte einem 100 Meter hohen Büroturm zu, im Gegenzug sollten die „kulturellen L-Gebäude“ geschützt werden. Doch 2024 zog sich das Unternehmen aus den Gesprächen zurück – mit der Begründung, der Rahmen verrate frühere Absprachen.

Seither fordert die Kurth Group Wohnungsbau am östlichen Rand des Geländes. Der Bezirk zeigte sich offen, sofern der soziokulturelle Bereich erhalten bliebe. Nun jedoch wurde der Club Cassiopeia aufgefordert, bis Ende des Monats zu räumen – obwohl er Miete zahlt und bereits seit dem vergangenen Jahr nur noch auf Zeit spielt.

Die Zukunft des RAW-Geländes ist ungewiss. Die Kurth Group hat keine weiteren Schritte bekannt gegeben, was bei den Mietern Verunsicherung auslöst. Die Räumungsfrist für den Club verschärft die Dringlichkeit der Lage.

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