Pforzheim bewilligt 900.000 Euro für umstrittenen Abriss historischer Häuser
Mirjana SchachtPforzheim bewilligt 900.000 Euro für umstrittenen Abriss historischer Häuser
Der Gemeinderat von Pforzheim hat die Finanzierung für den Abriss von vier historischen Gebäuden an der Östlichen Karl-Friedrich-Straße bewilligt. Der am 16. Dezember gefasste Beschluss sieht vor, dem Investor Ten Brinke im Rahmen des größeren Projekts „Schlossberghöfe“ 900.000 Euro zur Verfügung zu stellen. Die Entscheidung hat eine Debatte über die Zukunft dieses zentralen innerstädtischen Areals ausgelöst.
Der Rat stimmte für die Bereitstellung von 540.000 Euro aus Bundes- und Landesmitteln, während die Stadt selbst 360.000 Euro beisteuert. Ein Antrag des FDP/FW-Stadtrats Dr. Hans-Ulrich Rülke, der Anpassungen am Projekt vorsah, wurde ebenfalls angenommen. Der stellvertretende Bürgermeister Ragnar Migenda erklärte, erste Gespräche mit Investoren hätten gezeigt, dass wenig Interesse an Büroräumen bestehe. Stattdessen werde der Bau von Mikroapartments mit Gewerbeeinheiten im Erdgeschoss – einschließlich eines möglichen zehnstöckigen Hochhauses – bevorzugt.
Die CDU, angeführt von Fraktionschef Michael Metten, plädierte für ein vorsichtiges Vorgehen. Metten argumentierte, die Stadt solle zunächst eine Strukturanalyse durchführen und den Bedarf prüfen, bevor die Busspur verlegt oder die Strunde freigelegt werde. Gleichzeitig betonte er die Dringlichkeit des Abrisses, um eine längere Leerstandsphase zu vermeiden. Die Grünen und die SPD sprachen sich hingegen dafür aus, Teile der Gebäude zu erhalten oder sie vollständig umzunutzen.
Planungschef Helge Mehrtens warnte, dass eine Verzögerung der Investorengespräche deren Engagement gefährden könnte. Die Haltung der CDU steht hier im deutlichen Kontrast zu ihrer Position beim Zanders-Gelände, wo sie sich für eine direkte städtische Steuerung ausgesprochen hatte. Die Verwaltung plant zwar nicht, das Projekt selbst umzusetzen, möchte jedoch Einfluss auf die Gestaltung dieser „Premium-Lage“ zwischen Konrad-Adenauer-Platz und Gohrsmühle nehmen.
Die Entscheidung ebnet den Weg für tiefgreifende Veränderungen in der Pforzheimer Innenstadt. Mit der gesicherten Abrissfinanzierung wird sich nun zeigen, wie das Gelände neu entwickelt wird. Die Rolle der Stadt bei der Ausgestaltung des Projekts – bei gleichzeitiger Abhängigkeit von privaten Investitionen – bleibt ein entscheidender Faktor für seine Zukunft.
