Pfändungsschutzkonten versagen: Warum Schuldner monatelang ohne Geld dastehen
Mirjana SchachtPfändungsschutzkonten versagen: Warum Schuldner monatelang ohne Geld dastehen
Die Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung (BAG SBV) hat schwerwiegende Mängel im deutschen System der Pfändungsschutzkonten (P-Konten) aufgedeckt. Mit ihrer aktuellen Aktionswoche lenkt sie die Aufmerksamkeit auf die anhaltenden Probleme bei den Konten, die eigentlich dazu dienen, Schuldnern den Zugang zu existenzsichernden Geldern zu garantieren. Die Caritas Kempen-Viersen, die Beratungsstellen in Viersen, Dülken und Schwalmtal betreibt, unterstützt die Kampagne mit Informationsangeboten und individuellen Beratungen.
Jeden Monat sind in Deutschland zwischen 300.000 und 350.000 Girokonten von Pfändungsbeschlüssen betroffen. Sobald eine Kontopfändung vorliegt, sperren Banken umgehend alle Gelder auf dem Konto. Betroffene müssen dann beantragen, ihr Konto in ein P-Konto umzuwandeln, um den gesetzlichen Freibetrag vor dem Zugriff von Gläubigern zu schützen.
Doch genau hier gibt es nach Angaben der Schuldnerberater der Caritas Kempen-Viersen immer wieder Verzögerungen. Die gesetzlichen Freigrenzen würden nicht immer rechtzeitig angewendet, sodass Menschen zeitweise keinen Zugang zu ihrem Geld hätten. Simone Stahn-Florian, Schuldnerberaterin bei der Caritas in Viersen, kritisiert die rechtlichen Unklarheiten im Verfahren. Sie fordert verbindliche Standards für Banken, bessere Beratungsangebote, geschultes Personal und konsequente Sanktionen bei Verstößen.
Im Rahmen der Aktionswoche bietet Elisabeth Mankertz am Donnerstag, den 18. Juni, von 11 bis 12 Uhr eine Telefonsprechstunde an. Zudem weist die BAG SBV auf gravierende Defizite bei Basisgirokonten hin, die eigentlich allen Bürgerinnen und Bürgern den Zugang zu einem Girokonto ermöglichen sollen.
Ziel der Aktionswoche ist es, den Druck auf Politik und Banken zu erhöhen, um stärkere Schutzmechanismen und klarere Regeln durchzusetzen. Beraterinnen wie Stahn-Florian fordern politische Maßnahmen, damit Banken die Pfändungsvorschriften korrekt umsetzen. Ohne Reformen werden weiterhin Zehntausende monatlich mit gesperrten Konten und Verzögerungen konfrontiert sein.
