04 March 2026, 09:24

"Opferpopp 2.0": Immersives Theater in Halle erinnert an vergessene Geschichten

Ein Kinosaal mit Menschen, die herumlaufen, Treppen mit Geländern, die zur Tür führen, ein Textschild auf der linken Seite, Fotorahmen an den Wänden und eine beleuchtete Decke.

"Opferpopp 2.0": Immersives Theater in Halle erinnert an vergessene Geschichten

"Opferpopp 2.0 – Ein Requiem": Immersionstheater im Thalia Theater Halle ab 5. März 2026

Am 5. März 2026 eröffnet im Thalia Theater Halle eine neue immersive Theaterinstallation mit dem Titel "Opferpopp 2.0 – Ein Requiem". Das Projekt verwandelt das nt-Schaufenster in das Klubhaus Kluth – einen begehbaren Raum, der Ausstellung, Club und Live-Performance verbindet. Besucher:innen entscheiden selbst, wie intensiv sie sich mit den Geschichten, Videos und Diskussionen im Inneren auseinandersetzen möchten.

Die Installation ist Teil der Reihe "ERINNERN IST HEIMAT", die sich mit der Geschichte Halles, ihren ungelösten Fragen und offenen Wunden beschäftigt. Diese Ausgabe widmet sich vor allem den getilgten Biografien und lotet Themen wie Verlust, Provokation und Ausgrenzung aus. Gleichzeitig dient sie als Hommage an Alexander Kluth, ein Ensemblemitglied der ursprünglichen Opferpopp-Produktion von 1982, der im vergangenen Jahr verstorben ist.

Regisseur Mirko Borscht und Videokünstler Hannes Hesse zeichnen die Lebenswege der jungen, damals laienhaften Darsteller:innen der ersten Opferpopp-Inszenierung nach. Ihre Wege könnten unterschiedlicher nicht sein: Einige, wie Uwe Ochsenknecht, wurden zu professionellen Schauspieler:innen, andere – etwa Sandra Kolbe – engagieren sich heute in sozialen Frauenprojekten in München. Frank Böck leitet lokale Theaterinitiativen, doch viele der ehemaligen Kinderdarsteller:innen haben sich vollständig aus der öffentlichen künstlerischen Arbeit zurückgezogen.

Die aktuelle Produktion knüpft an das Stück "Opferpopp" von 2007 an, in dem junge Performende ungeschönte Geschichten von Gewalt und Vernachlässigung teilten. Diesmal lädt das Team das Publikum ab 14 Jahren ein, den Raum aktiv zu erkunden. Die Installation ist vom 5. bis 22. März 2026 zu erleben.

Das Projekt wirft einen seltenen Blick auf die langfristigen Auswirkungen früher künstlerischer Prägungen. Indem es die vielfältigen Wege der damaligen Besetzung nachzeichnet, verbindet es vergangene Kämpfe mit gegenwärtigen Reflexionen. Das Klubhaus Kluth bleibt drei Wochen lang geöffnet und gibt den Besucher:innen Raum, sich in eigenem Tempo mit den Themen auseinanderzusetzen.