Olaf Scholz verpasst Weiberfastnacht – Pflicht ruft statt Karnevalsstimmung
Heinz-Josef ZirmeOlaf Scholz verpasst Weiberfastnacht – Pflicht ruft statt Karnevalsstimmung
Bundeskanzler Olaf Scholz geriet am Weiberfastnacht in eine heikle Situation – ausgerechnet zum lebhaften Auftakt der Karnevalssaison. Statt mitzufeiern, saß er in einer Strategiebesprechung nahe Brüssel fest. Der Termin kollidierte mit seiner persönlichen Verbindung zur Tradition, denn sein Geburtstag am 11. November hat im Karneval eine besondere Bedeutung.
Die Weiberfastnacht ist tief in der rheinischen Kultur verwurzelt. Hier brachen Frauen einst mit Geschlechterrollen, um vor der Fastenzeit zu singen, zu tanzen und zu schmausen. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich daraus ein offizieller "Frauentag", nachdem Wäscherinnen in Bonn-Beuel 1824 gegen männliche Zünfte rebelliert hatten. Bräuche wie das Abschneiden der Krawatten der Männer setzten sich erst in den 1950er-Jahren durch.
Das Rheinland – allen voran Köln und Bonn – bleibt das Epizentrum der Feiern. Die Weiberfastnacht eröffnet jedes Jahr am Donnerstag vor Aschermittwoch den Straßenkarneval. In der Sauerland-Region, Scholz' Geburtsort, vermischt sich der Karneval dagegen mit Schützenfesten, ein Erbe der ehemaligen Kölner Kurfürstenzeit.
Scholz räumte seine Verbundenheit mit der Tradition ein und verwies auf seine rheinische Großmutter aus Andernach. Dreimal feierte er bereits einen "runden" Geburtstag am 11. November – mit 22, 33 und 44 Jahren. Obwohl er lieber mitgefeiert hätte, zwang ihn sein Terminkalender zu einer nicht öffentlichen Sitzung über die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie. Dennoch wollte er später am Tag etwas Karnevalsstimmung in den Bundeskabinett tragen.
Sein Tag stand symbolisch für den Konflikt zwischen politischem Pflichtbewusstsein und kultureller Tradition. Dass er der Weiberfastnacht fernblieb, änderte nichts an seiner Wertschätzung für das Fest. Für viele im Rheinland und darüber hinaus bleibt der Karneval eine geliebte Auszeit vom Alltag.
