Offener Brief verteidigt Freiheit von Kunst und Wissenschaft in Düsseldorf
Gerlinde HeinrichOffener Brief Warnt vor politischem Druck auf Universit├Ąten - Offener Brief verteidigt Freiheit von Kunst und Wissenschaft in Düsseldorf
Über 1.100 Wissenschaftler:innen, Künstler:innen und Kulturschaffende haben einen offenen Brief unterzeichnet, in dem sie die akademische und künstlerische Freiheit in Deutschland verteidigen. Die Stellungnahme erfolgt mitten in einem heftigen Streit um eine Veranstaltung mit der palästinensischen Künstlerin Basma al-Sharif an der Kunstakademie Düsseldorf. Die Kontroverse hat auch Donatella Fioretti, die Rektorin der Akademie, erfasst, die nun mit Rücktrittsforderungen konfrontiert ist.
Der Streit begann, als al-Sharif eingeladen wurde, an der Kunstakademie Düsseldorf zu sprechen. Es folgten Antisemitismusvorwürfe, die zu Forderungen nach einer Absage ihres Auftritts führten. Eine juristische Prüfung ergab später, dass ihre Äußerungen nicht strafrechtlich relevant seien und unter den Schutz der Meinungsfreiheit fielen. Dennoch wurde die Veranstaltung aus Sicherheitsgründen eingeschränkt.
In dem offenen Brief, der von prominenten Persönlichkeiten wie dem Fotografen Wolfgang Tillmans, der Philosophin Susan Neiman und der Historikerin Barbara Stollberg-Rilinger unterzeichnet wurde, wird Solidarität mit Fioretti bekundet. Darin wird eine Formulierung des Wissenschaftsausschusses im nordrhein-westfälischen Landtag kritisiert, die nach Ansicht der Unterzeichnenden grundlegende Freiheitsrechte unberechtigt unter Generalverdacht stelle. Die Erstunterzeichnenden betonen, dass Artikel 5 des Grundgesetzes die künstlerische, wissenschaftliche und Lehrfreiheit schütze – selbst bei umstrittenen oder unpopulären Positionen.
Der Brief warnt, dass der eskalierende Konflikt ein gefährliches Präzedenzfall für politische Einmischung in Universitäten und Kultureinrichtungen schaffen könnte. Die Initiator:innen fordern die Abgeordneten auf, sich erneut klar zu den verfassungsmäßigen Schutzrechten gegen Zensur zu bekennen. Fioretti wird am kommenden Mittwoch vor einer Sondersitzung des Ausschusses für Kultur und Medien des Landtags aussagen.
Die Debatte konzentriert sich weiterhin auf die Kunstakademie Düsseldorf; bisher gibt es keine Berichte über ähnliche Konflikte an anderen deutschen Kunst- oder Wissenschaftseinrichtungen. Die Unterzeichnenden des offenen Briefs haben jedoch deutlich gemacht, dass sie die wachsenden Bedrohungen für die akademische und künstlerische Unabhängigkeit mit Sorge betrachten. Fiorettis anstehende Aussage wird den Fall voraussichtlich weiter in den Fokus der Öffentlichkeit rücken.