08 February 2026, 12:39

NRW-Krankenhäuser kämpfen mit eklatanten Lücken in der Notfallvorsorge

Ein Notarztwagen der American Medical Response (AMR) steht in einem Gebäude, vor ihm stehen zwei maskierte Personen, links ein Fahrzeug und im Hintergrund sind mehrere Personen, Lichter und Rohre zu sehen.

NRW-Krankenhäuser kämpfen mit eklatanten Lücken in der Notfallvorsorge

Krankenhäuser in Nordrhein-Westfalen mit gravierenden Lücken in der Notfallvorsorge

Krankenhäuser in Nordrhein-Westfalen (NRW) sind laut einer aktuellen Umfrage des WDR schwerwiegend unzureichend auf Notfälle vorbereitet. Zwar verfügen viele über Notstromaggregate, doch nur wenige sind auf längerfristige Krisen wie großflächige Angriffe oder Naturkatastrophen eingestellt. Experten warnen vor kritischen Engpässen bei Wasser, Medikamenten und qualifiziertem Personal, die im Ernstfall zu erheblichen Problemen führen könnten.

Wie die WDR-Recherche ergab, besitzen 40 von 53 Krankenhäusern in NRW Notstromsysteme – doch nur etwas mehr als die Hälfte könnte damit drei Tage lang betrieben werden. Das Bergmannsheil in Bochum etwa setzt auf fünf Dieselgeneratoren mit Treibstoffreserven für 72 Stunden, ein Setup, das für die meisten deutschen Krankenhäuser typisch ist. Doch die Wasserversorgung bleibt eine große Schwachstelle: Fast alle Häuser sind vollständig von externen Lieferanten abhängig und verfügen über keine eigenen Notreserven.

Auch bei den Medikamentenvorräten gibt es erhebliche Defizite. Zwar lagern die meisten Krankenhäuser essenzielle Arzneimittel für zwei bis sechs Wochen, doch Blutkonserven wären in einer Krise schnell aufgebraucht. Eine Studie von Professor Boris Augurzky zeigt, dass bundesweit nur zwei Kliniken ein rotierendes Lagerungssystem nutzen, um das Verfallen von Medikamenten zu verhindern. Er betont, dass diese Methode die langfristige Versorgungssicherheit gewährleisten könnte – doch die Umsetzung bleibt die Ausnahme.

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Personalmangel und fehlende Finanzmittel verschärfen die Situation zusätzlich. Mirko Aach, Ärztlicher Direktor des Bergmannsheils, äußert Bedenken, ob die Krankenhäuser auf Massenanfälle von Verletzten – etwa nach möglichen Anschlägen auf die NATO oder Deutschland – vorbereitet sind. Seine Klinik kooperiert mittlerweile mit der Bundeswehr, um Mitarbeiter in Notfallchirurgie zu schulen, doch enge Budgets begrenzen eine flächendeckende Ausbildung. Gleichzeitig planen die Kölner Kliniken einen neuen, zweistöckigen Keller als Krisen-Medizinzentrum – doch NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) räumt ein, dass die Mittel fehlen. Er schlägt vor, stattdessen auf Bundesverteidigungsgelder zurückzugreifen.

Die Umfrage und die Warnungen der Experten offenbaren deutliche Schwächen in der Krankenhausinfrastruktur NRWs. Ohne besseres Vorratsmanagement, Wasserreserven und Personalausbildung könnten die Einrichtungen in einer großen Krise überfordert sein. Die Behörden stehen nun unter Druck, die Finanzierung zu sichern und die Koordination zu verbessern – bevor der nächste Notfall eintritt.