Mönchengladbachs Militärflächen werden zu Abschiebeheim und E-Bus-Depot umgenutzt
Gerlinde HeinrichMönchengladbachs Militärflächen werden zu Abschiebeheim und E-Bus-Depot umgenutzt
Mönchengladbach hat mit Bund und Land eine bedeutende Vereinbarung über die Zukunft zweier ehemaliger Militärstandorte getroffen. Auf dem Gelände des früheren Joint Headquarters (JHQ) entsteht eine neue Bundeswehr-Liegenschaft, während die Niederrheinkaserne künftig als Abschiebeunterkunft und als ökologisches Busdepot genutzt wird. Die Verantwortlichen begrüßen den Kompromiss als wichtigen Schritt, doch die wirtschaftlichen Auswirkungen bleiben umstritten.
Wie Bund und Land bestätigten, wird das ehemalige JHQ-Gelände zu einem Bundeswehr-Standort ausgebaut. Diese Entscheidung fügt sich in die übergeordneten Pläne zur Modernisierung der militärischen Infrastruktur in Deutschland ein. Die benachbarte Niederrheinkaserne hingegen erhält eine doppelte Nachnutzung: Einerseits entsteht dort eine Unterkunft mit 140 Plätzen für Menschen im Abschiebeverfahren, andererseits ein nachhaltiges Depot für die voll-elektrischen Busflotten von Mönchengladbach und Viersen.
Josefine Paul, Ministerin für Flüchtlinge und Integration in Nordrhein-Westfalen, betonte, die Abschiebeeinrichtung sorge für geordnete und rechtssichere Abläufe. Der Standort in der Nähe der Autobahnabfahrt Nord wird zudem ein Depot für die E-Bus-Flotten beherbergen, die von den Stadtwerken NEW betrieben werden.
Bürgermeister Felix Heinrichs bezeichnete die Einigung als Meilenstein für die grüne Wende und die wirtschaftliche Zukunft der Stadt. Kritische Stimmen gibt es jedoch wegen der begrenzten Flächen für gewerbliche Ansiedlungen – die SPD-Ratsfraktion warnte vor negativen Folgen für die Arbeitsplatzentwicklung. Der Landtagsabgeordnete Jochen Klenner (CDU) kündigte an, Möglichkeiten für kommunale Gewerbegebiete auf dem JHQ-Gelände zu prüfen, und forderte eine Überarbeitung der Prioritäten von Bund und Land.
NRW-Finanzminister Dr. Marcus Optendrenk bewertete das Ergebnis als ausgewogenen Kompromiss für alle Beteiligten. Heinrichs ergänzte, die Stadt werde weitere Gespräche mit dem Land suchen, um lokale Wirtschaftsinteressen stärker mit den bundes- und militärpolitischen Zielen in Einklang zu bringen.
Die Umnutzung der Mönchengladbacher Standorte folgt einem bundesweiten Trend: In den vergangenen fünf Jahren wurden rund 15 ehemalige Militärliegenschaften für zivile oder kommunale Zwecke umgewidmet – etwa zu Logistikzentren, Wohnprojekten oder Naturschutzgebieten.
Die Vereinbarung sichert der Bundeswehr einen Standort in Mönchengladbach und weist Teile der Niederrheinkaserne der Abschiebung sowie der grünen Verkehrsinfrastruktur zu. Nun steht die Stadt vor der Aufgabe, zusätzliche Gewerbeflächen auszuhandeln, um ansässige Unternehmen zu stärken. In den kommenden Monaten sollen weitere Gespräche folgen, um militärische, landespolitische und wirtschaftliche Interessen auszubalancieren.
