Mieterstrom als Turbo für Deutschlands Energiewende – doch Regelchaos bremst aus
Mirjana SchachtMieterstrom als Turbo für Deutschlands Energiewende – doch Regelchaos bremst aus
Mieterstrom-Modelle könnten Deutschlands Energiewende beschleunigen
Der Ausbau sauberer Energie in Deutschland könnte durch Mieterstromprojekte einen deutlichen Schub erhalten. Diese Systeme, die Solarstrom direkt an Mieter in Mehrfamilienhäusern liefern, gelten als einer der schnellsten Wege, um Emissionen zu senken und Kosten zu drücken. Doch unklare Regelungen bremsen bisher ihr volles Potenzial im Wohnungssektor aus.
Bis zu 20,4 Millionen Wohnungen in rund drei Millionen Gebäuden könnten technisch mit Mieterstrom versorgt werden. Bei flächendeckender Umsetzung ließe sich so eine zusätzliche Solarleistung von bis zu 60 Gigawatt erschließen. Dachanlagen auf Wohnblocks könnten bis zu 60 Prozent des jährlichen Strombedarfs eines Gebäudes direkt vor Ort decken.
Die Vorteile gehen über die reine Stromversorgung hinaus: Lokal erzeugter Solarstrom entlastet das Netz, reduziert Übertragungsverluste und senkt CO₂-Emissionen. Gleichzeitig profitieren Mieter von sofortigen Kosteneinsparungen. Mehrfamilienhäuser eignen sich ideal, um verschiedene Energienutzungen zu verknüpfen – etwa Wärmepumpen, E-Auto-Ladestationen und Batteriespeicher. Aktuell ist das Fehlen klarer Vorschriften das größte Hindernis. CDU/CSU und SPD arbeiten an einem neuen Gesetz – dem Gesetz zur Umsetzung der RED-III-Richtlinie –, das einen einheitlichen Rechtsrahmen schaffen soll. Standardisierte Abläufe und technische Vorgaben würden Anbietern helfen, ihre Kapazitäten schnell auszubauen und den Wohnungssektor zu einem zentralen Akteur der Energiewende zu machen.
Ein gut regulierter Mieterstrommarkt könnte den Umstieg Deutschlands auf Erneuerbare beschleunigen. Mit Millionen solarfähiger Wohnungen birgt der Wohnungssektor ein riesiges, noch ungenutztes Potenzial. Klare Regeln würden es Anbietern ermöglichen, sich auszudehnen – und dezentrale Energie damit zugänglicher und effizienter zu gestalten.
