Merz stärkt Partnerschaft mit Indien: Freihandel und Technologie im Fokus
Gerlinde HeinrichMerz stärkt Partnerschaft mit Indien: Freihandel und Technologie im Fokus
Bundeskanzler Friedrich Merz besucht diese Woche Indien, um die Zusammenarbeit in Handel, Verteidigung und Technologie zu stärken. Die Reise findet statt, während beide Länder trotz unterschiedlicher Positionen zu China und Russland ihre Partnerschaft vertiefen wollen.
Lokale Wirtschaftsnetzwerke in Deutschland, wie das Indien-Kompetenzzentrum, verzeichnen ein wachsendes Interesse an Indien als wichtigem Wirtschaftspartner. Berlin sieht die Beziehung angesichts globaler Unsicherheiten als zunehmend bedeutend an.
Die wirtschaftlichen Verbindungen zwischen Deutschland und Indien haben sich seit 2020 stetig ausgebaut. Nach der Wiederaufnahme von Handelsgesprächen 2022 wurde im Januar 2026 ein Freihandelsabkommen (FTA) unterzeichnet. Die Vereinbarung, die Ursula von der Leyen und Narendra Modi in Neu-Delhi bekanntgaben, hebt Zölle auf 90 Prozent der zwischen der EU und Indien gehandelten Waren auf. Dadurch sollen europäische Unternehmen jährlich rund 4 Milliarden Euro einsparen.
Der bilaterale Handel zwischen der EU und Indien erreichte im Finanzjahr 2024/25 ein Volumen von 136,54 Milliarden US-Dollar. Indien exportierte Waren im Wert von 75,85 Milliarden US-Dollar, während es Importe im Wert von 60,68 Milliarden US-Dollar tätigte. Das Abkommen verlängert zudem die wissenschaftliche Zusammenarbeit bis 2030 mit Schwerpunkt auf Künstlicher Intelligenz, Quantencomputing, Halbleitern und grünem Wasserstoff.
Neu-Delhi wirbt aktiv um deutsche Investitionen und Spitzentechnologie, um die Abhängigkeit von Russland zu verringern und Chinas Einfluss auszugleichen. Eine neue Taskforce soll die Zusammenarbeit in den Bereichen Clean Tech und Biotechnologie vorantreiben. Zudem werden Gespräche geführt, Indien in das EU-Forschungsprogramm Horizon Europe einzubinden.
Für Unternehmen bringt die Partnerschaft sowohl Chancen als auch Herausforderungen mit sich. Rajive Ranjan, Geschäftsführer des Düsseldorfer Modeunternehmens Techno Design mit indischen Wurzeln, sieht im Freihandelsabkommen großes Potenzial. Er erwartet niedrigere Zölle und erleichterten Zugang zu Fachkräften. Allerdings warnen Unternehmer, dass europäische Vorschriften – besonders für kleinere Betriebe – weiterhin Hürden darstellen.
Techno Design, das digitale Modeentwürfe mithilfe von 3D-Visualisierung entwickelt, plant, seine Belegschaft in Indien auszubauen. Das Unternehmen will zudem stärker in KI-gestützte Modetechnologie investieren. Die Produktion erfolgt derzeit in Indien, China und Bangladesch und beliefert große deutsche und US-amerikanische Marken.
Verhandlungen über ein Investitionsschutzabkommen, eine Start-up-Partnerschaft und engere Arbeitsgruppen zu strategischen Technologien laufen weiter. Beide Seiten arbeiten daran, widerstandsfähigere Lieferketten aufzubauen.
Der Besuch von Kanzler Merz unterstreicht die strategische Bedeutung der deutsch-indischen Beziehungen. Das Freihandelsabkommen und die erweiterte Zusammenarbeit in Technologie und Verteidigung deuten auf eine engere wirtschaftliche Verbindung hin.
Für Unternehmen wie Techno Design eröffnet die Vereinbarung neue Möglichkeiten in Handel und Innovation. Dennoch bleiben regulatorische Hindernisse – insbesondere für kleinere Firmen, die von der Partnerschaft profitieren möchten.
