Mecklenburger Jäger bezaubert mit perfekten Hirschrufen die Fachjury
Gerlinde HeinrichOhne Geweih, aber mit Stimmgewalt: Bestes Hirschrufen gekrönt - Mecklenburger Jäger bezaubert mit perfekten Hirschrufen die Fachjury
Ein Jäger aus Mecklenburg-Vorpommern hat bei einem einzigartigen bundesweiten Wettbewerb den Hauptpreis gewonnen. Thomas Soltwedel siegte bei der Deutschen Hirschlock-Meisterschaft auf der diesjährigen Jagd & Hund-Messe in Dortmund. Die Jury bewertete seine Fähigkeit, die Laute von Rotwild in drei verschiedenen Kategorien nachzuahmen – ohne zu wissen, wer gerade auftrat.
Bei dem Wettbewerb geht es darum, die Rufe von Rothirschen mit größter Präzision zu imitieren. Soltwedel setzte sich in allen drei Disziplinen durch: den Rivalitätsrufen gleich starker Hirsche, dem tiefen Brunftschrei eines alten Hirschs und den Balzlauten eines dominanten Männchens, das Weibchen anlockt. Sein Sieg ist das Ergebnis jahrelanger Übung, denn die Beherrschung der Hirschlaute erfordert ein tiefes Verständnis ihres Verhaltens und ihres natürlichen Lebensraums.
Die Teilnehmer greifen auf traditionelle Hilfsmittel zurück, um ihre Rufe zu verstärken. Manche nutzen Hirschgeweihe, andere bevorzugen Glaszylinder oder Tritonschnecken. Die Veranstaltung selbst hat einen doppelten Zweck: Sie feiert das Erbe der Lockjagd und lenkt gleichzeitig die Aufmerksamkeit auf den Rückgang der Hirschbestände in Deutschland.
Um Fairness zu gewährleisten, bewertete eine Jury aus Förstern, Jägern und Hirsch-Experten die Darbietungen blind. Die Mitglieder hörten die Rufe über Kopfhörer, ohne zu wissen, welcher Teilnehmer gerade an der Reihe war. Diese Methode stellt sicher, dass allein die Genauigkeit und Natürlichkeit der Laute im Mittelpunkt stehen.
Soltwedels Erfolg unterstreicht das Können, das hinter dieser uralten Jagdtradition steht. Die Meisterschaft würdigt nicht nur die Expertise in der Hirschkommunikation, sondern verweist auch auf größere Naturschutzherausforderungen. Deutschlands Hirsch ist zunehmend bedroht – Veranstaltungen wie diese sind daher nicht nur ein kulturelles Schaufenster, sondern auch ein Appell zum Handeln.
