Mainzer Fastnacht bricht Tradition: Erstmals führt eine Frau durch die Revue
Heinz-Josef ZirmeFrauen-Debüt bei "Mainz bleibt Mainz" - Mainzer Fastnacht bricht Tradition: Erstmals führt eine Frau durch die Revue
Mainzer Fastnachtsrevue "Mainz 05 bleibt Mainz 05, wie es singt und lacht" bricht mit jahrhundertealter Tradition
In diesem Jahr hat die berühmte Mainzer Fastnachtsrevue "Mainz 05 bleibt Mainz 05, wie es singt und lacht" Geschichte geschrieben: Zum ersten Mal seit fast 200 Jahren führte mit Christina Grom eine Frau durch das Protokoll des Abends. Gleichzeitig kehrte Jürgen Wiesmann für seinen 25. Auftritt als beliebte Karnevalsfigur Ernst Lustig auf die Bühne zurück.
Die Revue blieb ihren Wurzeln treu und setzte zugleich auf Erneuerung. Grom stand im Mittelpunkt und setzte mit scharfer Satire politische Prominenz auf die Schippe. Im Visier hatte sie dabei Bundeskanzler Friedrich Merz, Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und den ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump. In einem besonders einprägsamen Moment wünschte sie sich, der Himmel möge Trump "etwas Verstand herabregnen lassen" – und scherzte, man könne die Gutenberg-Bibel nutzen, um seinem "aufgeblähten Schädel" Vernunft einzuhämmern.
Trump ist seit Langem ein Lieblingsziel der Mainzer Fastnacht. Seit 2016 wurden in den Büttenreden seine "America First"-Politik, die Pläne für eine Grenzmauer und seine umstrittenen Tweets auf die Schippe genommen. Von 2018 bis 2020 stand seine Präsidentschaft im Fokus der Parodien, während die späteren Ausgaben (2021–2024) seine Wahlniederlage und juristischen Probleme karikierten. Mit überzeichneten Kostümen und treffsicheren Imitationen blieb die Satire stets frisch und beißend.
Der Abend endete mit einem traditionellen Akzent: Andreas Schmitt, langjähriger Moderator der Revue, kehrte in seiner Rolle als "Hoher Altardiener" des Mainzer Doms zurück. In dieser Figur übermittelte er Grüße an Papst Leo XIV. – nicht ohne einen Seitenhieb auf die langsamen Fortschritte der Kirche in Sachen Gleichberechtigung.
Die diesjährige Ausgabe markierte mit Grom an der Spitze einen historischen Wandel, doch der Geist der Veranstaltung blieb unverändert. Die Mischung aus alten Bräuchen und neuen Stimmen sorgte für begeistertes Gelächter im Publikum. Wie jedes Jahr hinterließ der Karneval mit seiner einzigartigen Verbindung aus Humor und Satire wieder seine Spuren in Politik und Kultur.
