Lufthansa-Aktie glänzt mit 33-Prozent-Plus – doch Triebwerksmangel und Klagen bremsen den Aufschwung
Gotthold UllmannLufthansa-Aktie glänzt mit 33-Prozent-Plus – doch Triebwerksmangel und Klagen bremsen den Aufschwung
Die Aktien der Lufthansa handeln nahe ihrem Jahreshoch und haben seit Januar um mehr als ein Drittel zugelegt. Dennoch sieht sich die Fluggesellschaft weiterhin mit operativen und rechtlichen Herausforderungen konfrontiert, die ihre künftige Performance beeinträchtigen könnten. Analysten der Investmentbank JPMorgan bleiben bei einer zurückhaltenden Einschätzung der Aktie – ein Spiegelbild sowohl der jüngsten Kursgewinne als auch der anhaltenden Probleme.
Im Jahr 2024 ist der Aktienkurs um 33,39 Prozent gestiegen und liegt damit in der Nähe eines 12-Monats-Hochs. Trotz dieses Anstiegs halten die JPMorgan-Experten an der Einstufung "Neutral" fest und setzen das Kursziel bei 7,50 Euro pro Aktie an.
Die operativen Schwierigkeiten bestehen fort: Im Durchschnitt müssen täglich 20 Lufthansa-Maschinen am Boden bleiben, weil es an Triebwerken mangelt. Das Unternehmen rechnet damit, dass sich dieses Problem mindestens bis 2030 hinziehen wird. Als Reaktion hat Vorstandschef Carsten Spohr vorgeschlagen, einen dritten Flugzeuglieferanten in Betracht zu ziehen. Der brasilianische Hersteller Embraer könnte als Partner gewonnen werden, um die Abhängigkeit von Airbus und Boeing zu verringern.
Hinzu kommen rechtliche Probleme. Das Oberlandesgericht Düsseldorf hat gegen die Lufthansa-Tochter Eurowings entschieden, weil diese in der Werbung irreführende Angaben zu CO₂-Kompensation gemacht hatte. Das Gericht urteilte, dass die Behauptung, Passagiere könnten Flüge für einen Aufpreis von neun Euro "klimaneutral" gestalten, täuschend sei. Die Klage war von der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) eingereicht worden. Zudem wird die Lufthansa ab dem 1. Januar 2026 die sogenannte Distribution Cost Charge (DCC) für globale Buchungssysteme um 0,50 Euro pro Reservierung erhöhen. Dieser Schritt spiegelt die steigenden Betriebskosten in der gesamten Branche wider.
Der Kursaufschwung der Airline steht im Kontrast zu den anhaltenden operativen und rechtlichen Hürden. Der Triebwerksmangel wird voraussichtlich noch Jahre andauern, während das Urteil gegen Eurowings den regulatorischen Druck erhöht. Gleichzeitig deutet die geplante Gebührenerhöhung für Buchungen auf weitere Kostenanpassungen hin. Die Analysten bleiben vorsichtig – zwischen starken Aktienkursen auf der einen und den fortbestehenden Herausforderungen auf der anderen Seite.
