Kostenloses Fernsehprogramm soll B1-Sprachzertifikat für Migranten retten
Heinz-Josef ZirmeKostenloses Fernsehprogramm soll B1-Sprachzertifikat für Migranten retten
Migrantinnen und Migranten in Deutschland sehen sich mit wachsenden Schwierigkeiten konfrontiert, das B1-Sprachzertifikat zu erwerben – nach drastischen Kürzungen der Fördermittel durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Die jüngsten Streichungen, die im Dezember 2025 bekannt gegeben wurden, haben rund 129.500 Menschen ohne finanzielle Unterstützung für freiwillige Integrationskurse zurückgelassen. Als Reaktion darauf haben lokale Organisationen im Rheinisch-Bergischen Kreis ein kostenloses Fernsehprogramm ins Leben gerufen, um die Lücken zu schließen.
Die Kürzungen begannen bereits Ende 2024, als das BAMF die Förderung für Wiederholungsstunden in allgemeinen Integrationskursen strich. Dadurch blieben Migrantinnen und Migranten, die die B1-Prüfung beim ersten Versuch nicht bestanden hatten, ohne staatliche Unterstützung. Im Dezember 2025 folgten weitere Einschnitte: Die Finanzierung für die freiwillige Teilnahme gemäß § 44 Abs. 4 des Aufenthaltsgesetzes wurde komplett gestrichen. In der Folge müssen Asylsuchende, Geduldete, Ukrainerinnen und Ukrainer sowie EU-Bürgerinnen und -Bürger nun selbst 458 Euro pro 100-Stunden-Modul aufbringen – anerkannten Flüchtlingen bleibt die Gebühr jedoch erlassen.
Die Auswirkungen sind verheerend: Immer mehr Menschen scheitern am Erreichen des B1-Zertifikats, das für eine langfristige Integration unverzichtbar ist. Vor Ort springen nun Trägereinrichtungen wie der Jugendmigrationsdienst (JMD) und die Katholische Erwachsenenbildung ein. Gemeinsam haben sie einen kostenlosen Vorbereitungskurs entwickelt, der Migrantinnen und Migranten beim Bestehen des Deutsch-Tests für Zuwanderer (DTZ) unterstützt. Finanziert wird das Fernsehprogramm heute vom JMD und der Initiative Aktion Neue Nachbarn des Erzbistums Köln.
Doch trotz dieser Bemühungen bleiben Lücken. Der JMD betreibt zwar ein Sprachcafé, um die soziale Integration zu fördern, doch ein strukturierter B1-Vorbereitungskurs lässt sich dadurch nicht ersetzen. Stefan Andres von der Katholischen Erwachsenenbildung kritisierte die Kürzungen als "politisch motivierte Sparmaßnahmen" und bezeichnete sie als ein "spektakuläres Eigentor". Beide Organisationen hoffen, dass das Bundesinnenministerium seine Entscheidung noch einmal überdenkt.
Die Förderkürzungen zwingen Migrantinnen und Migranten dazu, sich für Sprachunterstützung auf lokale Initiativen zu verlassen. Solange das BAMF an seiner Linie festhält, werden viele weiterhin vor finanziellen Hürden stehen, um das B1-Zertifikat zu erlangen. Das kostenlose Fernsehprogramm im Rheinisch-Bergischen Kreis bietet Betroffenen vorerst eine Notlösung.
