Kölner Karneval 2026: Tillys Provokation und Putins Schatten über dem Rosenmontag
Gotthold UllmannKölner Karnevalisten verteidigen das Fehlen von Putin-Figur - Kölner Karneval 2026: Tillys Provokation und Putins Schatten über dem Rosenmontag
Kölner Karneval 2026: Politische Wagen sorgen erneut für Diskussionen – Putin-Motiv ausgeschlossen, Tilly bleibt provokant
Der diesjährige Kölner Karnevalsumzug wird mit seinen frechen politischen Motivwagen wieder für Gesprächsstoff sorgen. Zwar haben die Veranstalter einen Wagen mit Bezug auf Wladimir Putin vom Hauptumzug am Rosenmontag ausgeschlossen, doch der Düsseldorfer Wagenbauer Jacques Tilly setzt trotzdem auf ein eigenes umstrittenes Design. Die Entscheidung fällt in eine Zeit, in der russische Behörden rechtlich gegen Tilly wegen früherer satirischer Werke vorgehen.
Russische Stellen haben ein Strafverfahren gegen Jacques Tilly eingeleitet und werfen ihm vor, falsche Behauptungen über die russische Armee verbreitet zu haben. Ein moskauer Medium, Ostorozhno Novosti, deutete seine früheren Karnevalswagen als direkte Beleidigung von Präsident Putin in dessen Rolle als Oberbefehlshaber. Der für den 26. Februar 2026 anberaumte Prozess markiert eine Zuspitzung in Russlands Reaktion auf Tillys Schaffen.
Die Kölner Karnevalsverantwortlichen hingegen distanzieren sich in diesem Jahr vom Putin-Thema. Zugleiter Marc Michelske bestätigte die Entscheidung, betonte aber zugleich vollstes Vertrauen in Tillys künstlerischen Ansatz. Christoph Kuckelkorn, Präsident des Festkomitees Kölner Karneval, unterstrich diese Haltung und erklärte, der Zugleiter genieße bei der Themenauswahl volle kreative Freiheit.
Tillys Wagen für 2026 zielen stattdessen auf andere Politiker ab. Ein Entwurf zeigt den ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump, dessen Gesäß von Küsschen der mit "Merz", "Macron" und "NATO" beschrifteten Figuren bedeckt ist. Ein weiterer Wagen persifliert die internen Streitigkeiten innerhalb der deutschen Ampelkoalition. Trotz der juristischen Drohungen gibt sich Tilly unbeeindruckt – muss jedoch mit Reisebeschränkungen leben, da ihm wegen möglicher Auslieferungsrisiko im Zusammenhang mit Russland gedroht wird.
Die Session wird wie geplant stattfinden, Tillys Wagen sind zu sehen – wenn auch nicht im offiziellen Kölner Zug. Die russischen Ermittlungen laufen unterdessen weiter; die Behörden werten seine Satire als Versuch, Putins Kritiker in Deutschland einzuschüchtern. Die Veranstalter betonen derweil, dass die künstlerische Unabhängigkeit nach wie vor ein Grundpfeiler des Karnevals bleibt.
