Julia Klöckner übernimmt: Kann sie den Bundestag zivilisieren?
Gerlinde HeinrichJulia Klöckner übernimmt: Kann sie den Bundestag zivilisieren?
Der Deutsche Bundestag steht wegen zunehmend ausufernder Debatten und ungebührlichen Verhaltens in der Kritik. Clemens Graf von Hoyos, Vorsitzender der Deutschen Knigge-Gesellschaft, hat die Abgeordneten aufgefordert, ihr Auftreten zu verbessern. Seine Äußerungen fallen mit dem Amtsantritt von Julia Klöckner als neue Bundestagspräsidentin nach der Februarwahl 2025 zusammen.
Hoyos verwies auf einen spürbaren Verfall der parlamentarischen Umgangsformen und nannte ständige Zwischenrufe, laute Unterbrechungen sowie spöttischen Beifall während der Sitzungen als Beispiele. Die Debatten seien lauter, emotionaler und stärker auf virale Momente als auf inhaltliche Auseinandersetzungen ausgerichtet, so der Experte.
Der Benimm-Fachmann stellte zwar eine gewisse Nachlässigkeit im Verhalten der Abgeordneten fest, lobte aber gleichzeitig eine Verbesserung der Kleidungsstandards. Immer mehr Parlamentarier scheinen Wert auf ein professionelles Erscheinungsbild zu legen. Hoyos’ Aussagen folgen auf den Führungswechsel im Bundestag, bei dem Julia Klöckner Bärbel Bas ablöste, die das Amt von 2021 bis März 2025 innehatte. Offizielle Bundestagsunterlagen bestätigen Klöckners neue Rolle, doch gibt es keine Hinweise darauf, dass Bas während ihrer Amtszeit Reformen der Geschäftsordnung vorangetrieben hätte.
Der Appell zu mehr Anstand kommt zu einer Zeit verschärfter Beobachtung des parlamentarischen Verhaltens. Julia Klöckner steht nun vor der Herausforderung, in einem Plenarsaal, in dem Störungen an der Tagesordnung sind, wieder für Ordnung zu sorgen. Wie effektiv diese Probleme angegangen werden, könnte über den Ruf des Bundestags entscheiden.
