Jörg Wagners Abschied beim RBB markiert das Ende einer Medien-Ära
Gerlinde HeinrichJörg Wagners Abschied beim RBB markiert das Ende einer Medien-Ära
Jörg Wagner, langjähriger Moderator des Medienmagazins bei radioeins, hat nach 66 Berufsjahren seine Karriere beendet – gedrängt in den Ruhestand vom Rundfunksender RBB. Seine letzte Sendung, thematisch passend zu "vorzeitigen Beerdigungs"-Anzeigen, markierte das Ende einer Ära – und gleichzeitig den Auftakt zu seinem nächsten Projekt.
Noch am selben Tag, an dem das Medienmagazin des RBB erstmals pausiert, startet Wagners neuer Podcast Medienhölle mit Co-Moderator Philipp Nitzsche. Damit bleibt seine Medienberichterstattung erhalten, wenn auch unter strengerer redaktioneller Aufsicht.
Wagners Abschiedssendung fand in der Dachlounge des RBB statt, einem Raum, den nicht die Intendanz, sondern RBB Media zur Verfügung gestellt hatte. Zu Gast waren langjährige radioeins-Kollegen, von denen viele ebenfalls altersbedingt in den Ruhestand gedrängt worden waren. Auffällig abwesend blieben die RBB-Spitze – mit Ausnahme von Kommunikationschef Justus Demmer. Auch der ehemalige Chefredakteur David Biesinger, der inzwischen eine andere Führungsposition innehat, erschien nicht.
Das Medienmagazin selbst wird zwar fortgeführt, aber mit deutlichen Veränderungen. Unter der neuen Moderatorin Teresa Sickert wird es weniger Folgen geben, und die Live-Ausstrahlungen entfallen – eine Umstellung, die mit ihrem "familienfreundlichen" Arbeitsplan begründet wird. Wagners letzte Sendung lief am 27. Dezember, Sickert übernahm offiziell am 10. Januar. Sein Wechsel ins Podcast-Format bringt jedoch neue Einschränkungen mit sich: Medienhölle bleibt zwar im Geiste unabhängig, unterliegt aber nun der redaktionellen Kontrolle durch Ulrike Demmer. Dass der Start des Podcasts genau in die erste Sendepause des Medienmagazins fällt, unterstreicht den Wandel vom öffentlich-rechtlichen Format zu einem persönlicheren – wenn auch überwachten – Angebot.
Wagners Abgang hinterlässt eine Lücke in der RBB-Medienberichterstattung, die nun durch ein reduziertes Medienmagazin und eine neue Stimme, Sickert, gefüllt wird. Sein Podcast, trotz redaktioneller Vorgaben, sichert die Fortführung seiner kritischen Perspektive. Die Veränderungen spiegeln größere Umbrüche im öffentlich-rechtlichen Rundfunk wider, wo institutionelle Entscheidungen und persönliche Neuorientierung aufeinandertreffen.
