Immer weniger Studierende erhalten staatliche Kredite und Stipendien in Deutschland
Gerlinde HeinrichStudie: Nachfrage nach staatlich finanzierter Studienförderung sinkt weiter - Immer weniger Studierende erhalten staatliche Kredite und Stipendien in Deutschland
Im Jahr 2024 haben in Deutschland weniger Studierende staatliche finanzielle Unterstützung erhalten als in den Vorjahren. Nur 15,1 Prozent erhielten Stipendien, Fördergelder oder Kredite – ein Rückgang um 1,7 Prozentpunkte im Vergleich zu 2023. Expertinnen und Experten warnen, dass dieser Trend die Belastung für Studierende verschärfen könnte, die bereits jetzt Schwierigkeiten haben, ihr Studium zu finanzieren.
Laut bundesweiten Zahlen waren im vergangenen Jahr 326.000 Studierende (11,4 Prozent) auf BAföG-Leistungen angewiesen. Weitere 69.000 (2,4 Prozent) erhielten ein Stipendium, während 44.000 (1,4 Prozent) staatlich geförderte Kredite in Anspruch nahmen. Lediglich das Deutschlandstipendium verzeichnete einen leichten Anstieg der Bewerbungen.
Die regionalen Unterschiede waren deutlich: Thüringen wies mit nur 10 Prozent geförderter Studierender die niedrigste Quote auf. Ulrich Müller, Leiter der politischen Analyse am CHE Centrum für Hochschulentwicklung, kritisierte die anhaltende Krise des Fördersystems. Er betonte, dass viele Studierende aufgrund finanzieller Sorgen nicht ihr volles Potenzial entfalten könnten.
Müller warnte vor weiteren Folgen wie längeren Studienzeiten, eingeschränkten Wahlmöglichkeiten bei Studienfach oder -ort sowie höheren Abbrecherquoten. Seine Aussagen folgen auf Jahre sinkender Inanspruchnahme der meisten Förderprogramme.
Der Rückgang staatlicher Unterstützung setzt viele Studierende unter größeren finanziellen Druck. Da nur das Deutschlandstipendium dem Abwärtstrend widersteht, mehren sich die Forderungen nach einer Reform. Die Verantwortlichen stehen nun unter Zugzwang, die Mängel des Systems zu beheben, bevor sich die Lage weiter verschlechtert.
