14 March 2026, 12:12

Igor Levit kämpft mit Schostakowitsch-Konzerten gegen wachsenden Antisemitismus in Wien

Ein Plakat des Pianisten Jorge Luis Prats in einem schwarzen Anzug und weißem Hemd, der konzentriert am Klavier sitzt.

Igor Levit kämpft mit Schostakowitsch-Konzerten gegen wachsenden Antisemitismus in Wien

Der Pianist Igor Levit gibt vom 17. bis 22. Oktober eine sechsteilige Konzertreihe im Wiener Musikverein. Das Programm ehrt Dmitri Schostakowitsch und feiert zugleich das Leben in einer Zeit wachsenden Antisemitismus. Levit, seit über einem Jahrzehnt einer der führenden klassischen Musiker, äußert sich seit den Hamas-Angriffen vom 7. Oktober zunehmend zu Menschenrechten und jüdischer Identität.

Den Auftakt bildet Ravels Kaddisch, ein jüdisches Trauergebet von tiefer Symbolkraft in der Gegenwart. Levit, der selbst mit Boykottaufrufen und Absagen konfrontiert wurde, versteht die Konzertreihe als künstlerisches und persönliches Statement.

Sein Engagement hat sich parallel zu seiner Karriere entwickelt. 2020 erhielt er das Bundesverdienstkreuz und wurde vom Internationalen Auschwitz-Komitee für sein Wirken in Sachen Menschenrechte ausgezeichnet. Heute prägt seine jüdische Herkunft wie nie zuvor seine öffentliche Haltung.

Erst kürzlich trat Levit bei der Wiedereröffnung der Münchner Synagoge Reichenbach auf, wo Bundeskanzler Friedrich Merz während seiner Rede sichtbar zu Tränen gerührt war. Levit beschrieb den Moment als freudig und zugleich schmerzhaft angesichts des erstarkenden Antisemitismus in Europa. Er verurteilte die Absage jüdischer Künstlerauftritte und nannte die Ausladung des Dirigenten Lahav Shani von einem belgischen Festival eine "feige Tat".

Trotz eigener Boykott-Erfahrungen betont Levit, dass Künstler die Freiheit haben müssen, selbst zu entscheiden, ob sie sich äußern. Seine bevorstehenden Wiener Konzerte werden sowohl seine künstlerische Meisterschaft als auch seinen Einsatz gegen Hass durch Musik widerspiegeln.

Die Reihe im Musikverein beginnt mit einem Stück jüdischer Tradition und setzt damit den Ton für Levits Hommage an Schostakowitsch. Seine Auftritte fallen in eine Zeit, in der jüdische Künstler in Europa zunehmend unter Druck geraten. Die Konzerte werden nicht nur ein musikalisches Ereignis, sondern auch eine trotziges Zeichen gegen Intoleranz sein.

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