HKM-Stahlwerk in Duisburg gerettet – doch grüner Stahl fordert seinen Preis
Mirjana SchachtHKM-Stahlwerk in Duisburg gerettet – doch grüner Stahl fordert seinen Preis
Letzte Minute gerettet: Zukunft des traditionsreichen Stahlwerks HKM gesichert
Ein in letzter Sekunde ausgehandelter Deal sichert das Überleben von HKM, einem der ältesten Stahlwerke Deutschlands. Die 116 Jahre alte Anlage in Duisburg, einst größter Arbeitgeber der Region, wird nach monatelanger Unsicherheit weiterbetrieben. Die Belegschaft hatte Massenentlassungen und eine Schließung des Standorts befürchtet – was zu Protesten und Forderungen nach einem Sozialplan führte.
Nach der neuen Vereinbarung ist HKM nicht mehr unabhängig: Thyssenkrupp hält nun 50 Prozent der Anteile, die Salzgitter Mannesmann GmbH übernimmt 30 Prozent und Vallourec die verbleibenden 20 Prozent.
Die Einigung bringt den 2.000 Beschäftigten vorerst Entlastung, doch Stellenabbau bleibt wahrscheinlich. Im Rahmen der Umstrukturierung bei Thyssenkrupp könnten bis zu 11.000 Arbeitsplätze in ganz Deutschland wegfallen. Der Deal umfasst Investitionen in Höhe von 200 Millionen Euro für einen Lichtbogenofen, der HKM zu einem der ersten deutschen Produzenten von "grünem Stahl" macht. Damit soll die veraltete Hochöfen-Technologie modernisiert werden, die seit Langem die Effizienz des Standorts begrenzt.
Politiker aller Parteien in Duisburg unterstützen den Erhalt des Stahlwerks – ein Zeichen für die tiefe Verwurzelung des Betriebs in der Region und seine wirtschaftliche Bedeutung. Zudem wurde ein Liefervertrag mit Thyssenkrupp um drei Jahre verkürzt, eine zentrale Forderung des Unternehmens.
Aktuell produziert HKM über vier Millionen Tonnen Stahl pro Jahr. Doch wie viel es künftig sein werden, ist ungewiss, während die Branche auf CO₂-arme Verfahren umstellt. Das Werk hat frühere Krisen durch Innovation und öffentliche Förderung überstanden, doch die aktuelle Herausforderung stellt seine Anpassungsfähigkeit auf eine harte Probe.
Deutschlands Weg zum grünen Stahl gewinnt an Fahrt Unternehmen wie Salzgitter AG, ThyssenKrupp Steel und Saarstahl investieren in klimaneutrale Produktionsstätten. Auch der schwedische Konzern Stegra entwickelt ein Wasserstoff-Werk, das die CO₂-Emissionen um bis zu 95 Prozent senken soll. Der europäische Markt für grünen Stahl könnte bis 2032 jährlich um 63,2 Prozent wachsen und würde damit global den zweiten Platz einnehmen.
Der Deal hält HKM vorerst am Laufen, doch Stellenstreichungen und Produktionsumstellungen stehen bevor. Die 200-Millionen-Investition in den neuen Ofen markiert den Wandel hin zu einer nachhaltigen Stahlproduktion – im Einklang mit Deutschlands industriepolitischen Zielen. Für die Beschäftigten mildert die Vereinbarung zwar die akuten Sorgen, doch die langfristige Zukunft bleibt ungewiss.