Happel und Nocker: Zwei Theaterlegenden prägen Wiens Bühnen neu
Zwei der prägendsten Theaterpersönlichkeiten Wiens, Maria Happel und Paula Nocker, bereiten sich auf große neue Produktionen vor. Happel steht kurz vor der Premiere von Der heilige Falstaff, einer österreichischen Erstaufführung am Burgtheater, während Nocker an Mythen des Alltags arbeitet – einer Koproduktion zwischen dem Volkstheater und den Wiener Festwochen. Beide Frauen verbinden nicht nur eine lange gemeinsame Theatergeschichte, sondern auch eine nachbarschaftliche Freundschaft, die professionelle Wertschätzung mit persönlicher Offenheit verbindet.
Maria Happels aktuelles Projekt, Der heilige Falstaff, lässt sich von Shakespeares Heinrich IV. inspirieren. Für ihre Rolle ließ sie sich sogar ein Tattoo stechen – ein seltenes körperliches Bekenntnis zu einer Figur. Happel beschreibt ihren Regieansatz als den einer Spielleiterin: Sie versteht sich eher als Spielanleiterin denn als klassische Regisseurin. Diese Haltung spiegelt ihre Überzeugung wider, Schauspieler zu begleiten statt ihnen Vorgaben zu machen.
Ihre Karriere war nicht frei von Kontroversen. 2023 trat sie von der Leitung des Reinhardt Seminars zurück, nachdem ihr vorgeworfen worden war, zu wenig Zeit und Aufmerksamkeit für die Studierenden aufzubringen. Dennoch bleibt ihr Einfluss auf das österreichische Theater ungebrochen.
Happels Umgang mit Kritik ist selektiv: Sie liest Rezensionen wie Horoskope – Lob nimmt sie an, Negatives ignoriert sie. Das steht im scharfen Kontrast zu Paula Nockers Haltung. Nocker, die derzeit Mythen des Alltags probt, ist überzeugt, dass jede Kritik wertvoll ist – vorausgesetzt, sie wird respektvoll vorgebracht.
Die beiden Frauen kennen sich seit Jahren, sowohl beruflich als auch privat. Ihre Töchter sind ebenfalls Schauspielerinnen, und 2010 stand Happel mit ihrer Tochter in Der Weg ins Freie gemeinsam auf der Bühne. Ihre Freundschaft lebt von Ehrlichkeit, auch wenn sie zuweilen nerven kann. Als Nachbarinnen sind ihre Leben und Karrieren seit langem eng verflochten.
Während Happels Der heilige Falstaff bald am Burgtheater Premiere feiert, bereitet sich Nockers Mythen des Alltags auf seine Uraufführung im Rahmen der Wiener Festwochen vor. Ihre unterschiedlichen Herangehensweisen an Kritik und Regie unterstreichen die Vielfalt der Wiener Theaterszene. Beide Produktionen werden Aufmerksamkeit erregen und ihre anhaltende Präsenz in der österreichischen Kultur bestärken.






