Guido Westerwelle: Vom politischen Popstar zum Kämpfer gegen Leukämie
Mirjana SchachtVom 'Jungtürken' zum Staatsmann - Guido Westerwelle: Vom politischen Popstar zum Kämpfer gegen Leukämie
Guido Westerwelle war eine der markantesten politischen Persönlichkeiten Deutschlands. Bekannt für seine provokanten Aussagen und seinen unkonventionellen Stil, prägte er die Freie Demokratische Partei (FDP) in den 1980er- und 1990er-Jahren maßgeblich. Seine Karriere umfasste Höhepunkte wie rekordverdächtige Wahlerfolge, aber auch Tiefschläge wie persönliche Kämpfe mit Krankheit und Vorurteilen.
Westerwelle stieg schnell in den Reihen der FDP auf, nachdem er deren Jugendorganisation reformiert hatte. 2009 führte er die Partei zu ihrem besten Bundestagswahlergebnis aller Zeiten. Seine extravaganten Wahlkämpfe und seine Bereitschaft, auch Absurditäten zu umarmen, brachten ihm den Ruf eines "politischen Popstars" ein.
2010 heiratete er seinen langjährigen Partner Mikael Schäfer – zu einer Zeit, in der schwule Politiker noch mit weitverbreiteter Diskriminierung konfrontiert waren. Drei Jahre später, im Juni 2014, erhielt er die Diagnose Leukämie. Die Krankheit veränderte das öffentliche Bild von ihm und zeigte eine persönlichere Seite eines Mannes, der einst vor allem für Kontroversen bekannt war.
Ein Dokumentarfilm aus dem Jahr 2015 unterstrich diesen Kontrast: Er zeigte Westerwelles disziplinierten Kampf gegen den Krebs – ohne Selbstmitleid. Im selben Jahr veröffentlichte er ein Buch über seine Erfahrungen in der Hoffnung auf ein zweites Leben nach der Politik. Sein Kampf endete 2016, als er mit nur 54 Jahren starb, ein Jahrzehnt nach der Diagnose.
Westerwelles Vermächtnis bleibt mit seiner politischen Entschlossenheit und seinen persönlichen Kämpfen verbunden. Seine Offenheit über seine Sexualität und seine Krankheit veränderte die Wahrnehmung vieler Menschen von ihm. Der Höhepunkt der FDP unter seiner Führung und sein späterer Kampf gegen die Leukämie prägten ein Leben, das zugleich öffentlich und zutiefst privat war.






