18 February 2026, 10:23

Facharzt-Überweisungen: Warum Patienten länger warten – trotz höherer Kosten und Dringlichkeits-Tricks

Ein Dashboard mit einem Balkendiagramm und einem Kreisdiagramm, das die Anzahl der Menschen zeigt, die Deutschland besucht haben, mit begleitendem Text und Zahlen.

Facharzt-Überweisungen: Warum Patienten länger warten – trotz höherer Kosten und Dringlichkeits-Tricks

Deutschlands Facharzt-Überweisungssystem steht massiv in der Kritik

Ärzte und Prüfer üben scharfe Kritik am deutschen System für Facharztüberweisungen. Ein neuer Bericht zeigt: Trotz steigender Kosten müssen Patienten länger auf Termine warten, während einige Hausärzte einräumen, Dringlichkeitsstufen zu missbrauchen, um höhere Einnahmen zu erzielen. Psychiater berichten unterdessen, sie stünden unter Druck, medizinisch nicht gerechtfertigte Dringlichkeitsüberweisungen auszustellen – oder riskierten die Unzufriedenheit ihrer Patienten.

Das aktuelle Überweisungssystem, das mit dem Terminservice- und Versorgungsgesetz eingeführt wurde, sollte eigentlich Wartezeiten für Facharzttermine verkürzen. Doch die Zahlen des Bundesrechnungshofs belegen das Gegenteil: Die durchschnittliche Wartezeit stieg von 33 Tagen im Jahr 2019 auf 42 Tage im Jahr 2024. Trotz der Mehrausgaben gibt es keine Anzeichen dafür, dass Patienten schneller an Ärzte vermittelt werden.

Mehr als 750 von 800 bundesweit befragten Hausärzten gaben an, sich gezwungen zu fühlen, Überweisungen als dringend einzustufen – selbst wenn es medizinisch nicht notwendig sei. Allein in Nordrhein-Westfalen wiesen über 200 Hausärzte auf dieses Problem hin. Viele Mediziner argumentieren, das System priorisiere zwar dringende Fälle effektiv, belaste aber Hausarztpraxen unzumutbar. Zudem kritisieren sie ein finanzielles Ungleichgewicht: Fachärzte verdienen mehr an Dringlichkeitsterminen, während Hausärzte den zusätzlichen Verwaltungsaufwand tragen müssen.

Ein zentrales Problem bleibt die mangelnde Kontrolle. Die regionalen Krankenkassen können Patienten nicht selbst untersuchen und damit kaum überprüfen, ob eine Überweisung tatsächlich dringend ist. Der Spitzenverband der Fachärzte (SpiFa) betont zwar, dass medizinisch begründete Überweisungen rechtmäßig seien – doch einige Fachärzte haben eingeräumt, Dringlichkeitscodes bewusst auszunutzen, um ihre Einnahmen zu steigern.

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Der Bundesrechnungshof und der GK-Spitzenverband, der Dachverband der gesetzlichen Krankenkassen, fordern nun die Abschaffung der aktuellen Regelungen. Sie argumentieren, das System habe hohe Zusatzkosten verursacht, ohne messbare Verbesserungen für Patienten zu bringen.

Für Patienten wird sich vorerst wenig ändern, denn die von der Regierung angekündigten Reformen stocken. Hausärzte stehen weiterhin vor einem Dilemma: Entweder sie stellen Dringlichkeitsüberweisungen ohne klare medizinische Notwendigkeit aus – oder sie müssen mit dem Unmut ihrer Patienten umgehen, die auf Termine warten. Ohne schnelle Lösungen zeigt sich weder die Belastung der Hausärzte noch die Überlastung des Systems abnehmend.