Evonik-Chef Kullmann fordert radikale Reform des EU-Emissionshandels
Heinz-Josef ZirmeEvonik-Chef fordert Abschaffung des Emissionshandels - Evonik-Chef Kullmann fordert radikale Reform des EU-Emissionshandels
Christian Kullmann, Vorstandsvorsitzender von Evonik, fordert grundlegende Reformen des EU-Emissionshandels. Seiner Ansicht nach benachteiligen die aktuellen Regeln die europäische Industrie im globalen Wettbewerb. Kritik übt er auch am geplanten CO₂-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM), den er als unwirksam und übermäßig komplex bezeichnet.
Das EU-Emissionshandelssystem funktioniert, indem es eine Obergrenze für Treibhausgasemissionen festlegt und Unternehmen den Handel mit CO₂-Zertifikaten ermöglicht. Mit der Zeit wird die Anzahl der Zertifikate reduziert, was die Preise steigen lässt und Investitionen in saubere Technologien fördern soll. Kullmann jedoch argumentiert, dass das System mittlerweile die Wettbewerbsfähigkeit Europas untergräbt.
Er verweist darauf, dass andere Regionen der Industrie starke staatliche Unterstützung, günstigere Energie und niedrigere Rohstoffkosten bieten. Gleichzeitig importiert die EU große Mengen an Waren aus Ländern mit weniger strengen Klimavorgaben. Dies mache den aktuellen Ansatz unwirksam, so Kullmann.
Den CBAM bezeichnet er als "bürokratischen Trick", dessen Umsetzung Europa vor Herausforderungen stellen werde. Die globalen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen hätten sich verändert, erklärt er – immer mehr Länder stellten nun eigene Interessen über gemeinsame Klimamaßnahmen.
Trotz seiner Kritik bleibt Evonik unter Kullmanns Führung ein Vorreiter bei der CO₂-Reduktion. Das Unternehmen treibt die Dekarbonisierung der Industrie voran und setzt sich gleichzeitig für ein faireres regulatorisches Umfeld ein.
Kullmanns Forderungen spiegeln die wachsenden Spannungen zwischen Klimapolitik und industrieller Wettbewerbsfähigkeit wider. Sein Reformaufruf zeigt, dass das europäische Emissionshandelssystem möglicherweise nicht mehr zu den heutigen wirtschaftlichen Realitäten passt. Die Debatte über CBAM und CO₂-Bepreisung wird voraussichtlich an Schärfe gewinnen, während die Industrie nach gleichen Wettbewerbsbedingungen strebt.






