14 March 2026, 12:11

Düsseldorfs "fiftyfifty" kämpft ums Überleben – warum das Straßenmagazin mehr ist als nur ein Heft

Eine Zeitung mit einer Zeichnung von zwei Personen, einer sitzend und einer stehend, mit den Worten "Die Obdachlosen" darauf.

Düsseldorfs "fiftyfifty" kämpft ums Überleben – warum das Straßenmagazin mehr ist als nur ein Heft

Düsseldorfs "fiftyfifty"-Magazin – eine Lebensader für obdachlose Verkäufer – verzeichnet einen drastischen Rückgang der monatlichen Verkäufe. Früher noch mit 40.000 verkauften Exemplaren, kämpft die Zeitschrift heute damit, die Marke von 12.000 zu erreichen. Der Einbruch steht im Zusammenhang mit den allgemeinen Herausforderungen der Printmedien und einer wachsenden Feindseligkeit gegenüber Straßenverkäufern.

Doch das Magazin bietet mehr als nur Nachrichten – es schafft Einkommen, Würde und eine Stimme für Menschen ohne Obdach. Gegründet von Hubert Ostendorf, hat es sich zu einer wichtigen Plattform entwickelt, um Missstände aufzudecken und gegen die Diskriminierung obdachloser Menschen zu kämpfen.

Das Finanzmodell der Zeitschrift basiert auf Verkäufen, Spenden und Einnahmen aus einer Wohltätigkeitsgalerie, in der Werke bekannter Künstler gezeigt werden. Die Verkäufer erhalten direkt Geld für jedes verkaufte Exemplar – ob in gedruckter oder digitaler Form. Die digitale Ausgabe funktioniert wie eine Loskarte, sodass die Verkäufer auch in Zeiten sich wandelnder Lesegewohnheiten weiterhin Unterstützung erhalten.

In den vergangenen fünf Jahren haben ähnliche Straßenmagazine in ganz Deutschland – wie etwa "Tausendzeitalter" in Berlin oder "Strassenfeger" in Hamburg – auf hybride Print-Digital-Modelle gesetzt, um den sinkenden Absatzzahlen entgegenzuwirken. Der Rückgang bei "fiftyfifty" spiegelt jedoch übergeordnete Trends wider: einen schrumpfenden Printmarkt und zunehmenden Rassismus, insbesondere gegenüber Verkäufern mit Migrationshintergrund.

Über das Einkommen hinaus gibt das Magazin obdachlosen Menschen ein Gefühl von Zugehörigkeit und Sinn. Viele beschreiben es als Quelle für Struktur, menschliche Verbindung und Selbstachtung. Ohne "fiftyfifty" stünden wichtige Projekte vor existenziellen Finanzierungslücken – darunter Straßenhilfe, medizinische Versorgung für herrenlose Hunde und Wohninitiativen.

Um die steigenden Kosten zu decken, wurde der Preis für "fiftyfifty" auf 3,40 Euro angehoben. Dennoch bleibt es eines der erschwinglicheren Alltagsprodukte. Zudem hält die Zeitschrift das Thema Obdachlosigkeit in der öffentlichen Debatte präsent und schlägt eine Brücke zwischen Verkäufern, Lesern und der Gesellschaft.

Die Zukunft von "fiftyfifty" ist ungewiss, da die Verkaufszahlen weiter sinken. Sein Fortbestand ist jedoch entscheidend für die obdachlose Gemeinschaft in Düsseldorf – als Finanzierungsquelle für unverzichtbare Hilfsangebote und als Stimme für diejenigen, die oft übersehen werden. Ohne gezielte Unterstützung könnte das Verschwinden des Magazins viele ohne Hilfe und Sichtbarkeit zurücklassen.

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