Düsseldorfer Startup Co-reactive verwandelt CO₂ in klimafreundlichen Zementersatz – 6,5 Millionen Euro eingesammelt
Gotthold UllmannDüsseldorfer Startup Co-reactive verwandelt CO₂ in klimafreundlichen Zementersatz – 6,5 Millionen Euro eingesammelt
Co-reactive: Düsseldorfer ClimateTech-Startup wandelt CO₂ in nachhaltige Zementersatzstoffe – 6,5 Millionen Euro eingesammelt
Das in Düsseldorf ansässige ClimateTech-Startup Co-reactive hat 6,5 Millionen Euro eingesammelt, um Kohlendioxid in umweltfreundliche Alternativen zu Zement umzuwandeln. Die Technologie zielt darauf ab, die Emissionen einer Branche zu senken, die für 8 Prozent des globalen CO₂-Ausstoßes verantwortlich ist. Mit Unterstützung von Investoren und öffentlichen Fördermitteln soll der Prozess bis 2027 vom Labormaßstab in die industrielle Großproduktion überführt werden.
Die Zementindustrie steht vor steigenden Kosten und Rohstoffengpässen, da der Ausstieg aus der Kohle die Verfügbarkeit von Flugasche und Hüttensand verknappt. Durch die CO₂-Bepreisung könnten sich die Produktionskosten innerhalb eines Jahrzehnts verdoppeln – ein weiterer Anreiz für Hersteller, nach Alternativen zu suchen. Co-reactive entwickelt eine Lösung, die CO₂ und natürliche Mineralien in hochleistungsfähige puzzolanische Zusatzstoffe (SCMs) umwandelt. Diese verbessern nicht nur die Festigkeit des Zements, sondern reduzieren gleichzeitig dessen Klimabilanz.
An der Seed-Finanzierungsrunde beteiligten sich der High-Tech Gründerfonds (HTGF), die NRW.Bank, HBG Ventures, AFI Ventures, Evercurious VC sowie ClimateTech-Business-Angels. Zudem erhält das Unternehmen Förderung über das BIK-Programm des Bundes. Mit den Mitteln wird Co-reactive im zweiten Quartal 2026 eine Demonstrationsanlage mit einer Kapazität von 1.000 Tonnen pro Jahr errichten. Bis 2027 sind vier weitere Pilotprojekte in Zusammenarbeit mit Zement- und Stahlherstellern in Deutschland und Europa geplant.
Ab 2027 sollen diese Anlagen CO₂ direkt an Industriestandorten mineralisieren – sowohl biogene als auch prozessbedingte Emissionen werden so gebunden. Die Technologie lässt sich als "Drop-in-Lösung" integrieren und erfordert keine grundlegenden Änderungen an bestehenden Produktionslinien. Wie Dr.-Ing. Andreas Bremen, Mitgründer und CEO von Co-reactive, betont, werde die Finanzierung den Übergang von Laborversuchen zur kontinuierlichen Industrieproduktion beschleunigen.
Der Ansatz verringert nicht nur die Abhängigkeit von knappen herkömmlichen Ersatzstoffen, sondern macht das eingefangene CO₂ zu einem wertvollen Baustoff. Erste Tests zeigen, dass die SCMs die Haltbarkeit von Zement erhöhen, während sie dessen CO₂-Fußabdruck deutlich senken.
Die erste Demonstrationsanlage von Co-reactive soll Mitte 2026 in Betrieb gehen, gefolgt von industriellen Großanlagen bis 2027. Die Technologie bietet Zement- und Stahlproduzenten eine Möglichkeit, Emissionsziele zu erreichen, ohne ihre Produktionsabläufe umstellen zu müssen. Bei Erfolg könnte sie eine skalierbare, CO₂-negative Alternative zu herkömmlichen Zementzusätzen darstellen.
