20 December 2025, 19:41

Die Wahrheit

Ein mit Lichtern geschmückter Weihnachtsbaum steht vor einem Vorhang und einem Topfpalme.

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Alljährlich in Bayern: Vor Weihnachten allgegenwärtig ist das Gedicht „Heilige Nacht“ des nach wie vor beliebten Antisemiten Ludwig Thoma.

18. Dezember 2025, 23:06 Uhr

Eine umstrittene Weihnachtsradition hält sich in Bayern hartnäckig: Ludwig Thomass antisemitisches Gedicht „Heilige Nacht“ wird nach wie vor weit verbreitet vorgetragen. Das in humorvollem Ton verfasste Werk schildert die fiktive Reise von Maria und Josef nach Bethlehem, die von wiederholten Abweisungen in überfüllten Herbergen geprägt ist. Trotz seiner problematischen Geschichte bleibt das Gedicht in der Region ein fester Bestandteil der Festtagsbräuche.

Seit über 25 Jahren führt der Schauspieler Enrico de Paruta Thomass „Heilige Nacht“ in München, Ingolstadt und Regensburg vor ausverkauften Häusern auf. Doch die Debatten über das Erbe des Dichters reißen nicht ab – noch immer tragen Straßen und Schulen in Oberbayern seinen Namen, obwohl seine antisemitischen Schriften für den „Miesbacher Anzeiger“ dokumentiert sind.

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Ludwig Thomass „Heilige Nacht“ verbindet volkstümlichen Humor mit einer fiktiven Neuinterpretation der Weihnachtsgeschichte. Zeilen wie „Im Wald is so staad / Alle Weg san vawaht / Alle Weg san vaschniebn / Is koa Steigl net bliebn“ beschreiben eine chaotische, schneeverwehte Reise. Der heitere Ton des Gedichts steht in scharfem Kontrast zu Thomass antisemitischen Artikeln, die er zu Beginn des 20. Jahrhunderts veröffentlichte.

De Parutas langjährige Bühnenadaption zieht seit Jahren in drei bayerischen Städten ein begeistertes Publikum an. Über Aufführungen in anderen Regionen Bayerns gibt es keine gesicherten Berichte. Unterdessen widersteht Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter Forderungen, eine nach Thoma benannte Straße umzubenennen – trotz anhaltender Kritik an den Ansichten des Autors. Die anhaltende Beliebtheit des Gedichts verdeutlicht eine kulturelle Spaltung: Während die einen es als harmlose Weihnachtsunterhaltung betrachten, argumentieren andere, dass die Verehrung von Thomass Werk seine gefährliche Hinterlassenschaft ignoriert. Schulen und Straßen in Oberbayern tragen noch immer seinen Namen, was die Debatte jedes Jahr zur Weihnachtszeit neu entfacht.

Die Tradition, „Heilige Nacht“ vorzutragen, zeigt keine Anzeichen eines Rückgangs – selbst wenn die Diskussionen über Thomass Antisemitismus weitergehen. De Parutas Aufführungen locken weiterhin Zuschauer an, während lokale Behörden die Präsenz des Dichters im öffentlichen Raum aufrechterhalten. Vorerst bleibt das Gedicht ein fester Bestandteil der Festtage – seine umstrittene Vergangenheit unerschüttert von der Zeit.