10 June 2026, 16:12

Der historische Pierburg-Streik 1973: Als Frauen für Gerechtigkeit kämpften

Wenn Frauen ihre Chefs auf die Knie zwangen

Der historische Pierburg-Streik 1973: Als Frauen für Gerechtigkeit kämpften

Im August 1973 begannen Arbeiterinnen und Arbeiter im Pierburg-Werk in Neuss einen Streik, der Geschichte schreiben sollte. Die Aktion startete mit etwa 20 Frauen, die unter dem Motto „Eine Mark mehr!“ eine Lohnerhöhung forderten. Ihr Protest entwickelte sich schnell zu einer Bewegung, an der sich Hunderte beteiligten – darunter männliche Kollegen und migrantische Arbeitskräfte aus ganz Europa.

Der Streik begann am 13. August mit einer kleinen Gruppe von Frauen aus der überwiegend weiblichen Belegschaft. Sie wurden nach dem Tarif „leichte Arbeitsgruppe 2“ bezahlt, einer Einstufung für Tätigkeiten, die als körperlich wenig anspruchsvoll galten. Die Polizei ging zunächst gegen die Protestierenden vor; ein Beamter soll dabei rassistische Äußerungen gegenüber den Streikenden verwendet haben.

Die Solidarität verbreitete sich rasant. Künstler wie Joseph Beuys und Arbeiter aus anderen Städten schlossen sich der Unterstützung an. Bis zum 17. August reagierten die Arbeitgeber mit einem Angebot: eine Lohnerhöhung von 53 bis 65 Pfennig und die Abschaffung der Tarifgruppe „leichte Arbeitsgruppe 2“. Der Streik endete mit einem Erfolg, da die Arbeitgeber den Forderungen der Beschäftigten nachgaben.

Diese Aktion wurde zu einem der ersten Fälle in Deutschland, bei dem männliche Arbeiter ihre Kolleginnen öffentlich unterstützten. Die Folgen führten schließlich zur bundesweiten Abschaffung des umstrittenen Tarifs „leichte Arbeitsgruppe 2“.

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Der Pierburg-Streik erreichte seine unmittelbaren Ziele – höhere Löhne und die Streichung der umstrittenen Lohnklassifizierung. Darüber hinaus setzte die Bewegung ein Zeichen für weiteren Wandel, da die „leichte Arbeitsgruppe 2“ später in ganz Deutschland abgeschafft wurde. Bis heute gilt der Streik als ein prägendes Ereignis der deutschen Arbeitsgeschichte – wegen seiner Einheit und seiner Wirkung.

Quelle